Die "Gräfin" wird 60

30. Jänner 2009, 13:35
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Ex-Ministerin, Ex-ÖVP-Generalsekretärin, Ex-Frauenchefin, Ex-Nationalratsabgeordnete

Wien - Die Ex-Ministerin und langjährige ÖVP-Generalsekretärin (1995-2003) Maria Rauch-Kallat feiert am Samstag ihren 60. Geburtstag. Die umtriebige Wienerin ist seit den 70er Jahren in der Politik aktiv. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Nationalrat im Vorjahr blieb sie der ÖVP als Frauenchefin erhalten.

Zwei mal Ministerin

Zwei Mal belegte sie Ministerämter: In ihrer ersten "Ära" (1992 bis 1995) war sie Ministerin für Umwelt, Jugend und Familie, von 2003 bis Anfang 2007 hatte sie das Gesundheits- und Frauenressort inne. Nach der Wahlniederlage der ÖVP im Oktober 2006 war dann im ÖVP-Team des Kabinetts Gusenbauer kein Platz mehr für die bisherige Ministerin. Sie wechselte als Abgeordnete in den Nationalrat, wo sie zuvor bereits zweimal (1995-1999; 2001-2003) werkte. Bei der Nationalratswahl 2008 schaffte sie den Sprung ins Hohe Haus aber nicht mehr.

Maria Rauch-Kallat wurde am 31. Jänner 1949 als Wirtstochter in Wien geboren. Nach der Matura legte sie die Lehramtsprüfungen für Englisch, Deutsch, Geografie und Wirtschaftskunde sowie Leibesübungen ab. Sie hat zwei Töchter, verheiratet ist Rauch-Kallat in zweiter Ehe mit dem burgenländischen "Grafen", Landwirt und Rüstungslobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly.

Weiterhin Frauensprecherin

Allzu viel Zeit hatte die Ministerin für die Familie freilich nie, sie belebt seit fast 40 Jahren die Politik, und das nicht nur durch die exotischen Hüte, die ihr in den 90ern einen schrillen Ruf einbrachten. Die Gesundheitsministerin war schon Bundesrätin, Wiener Landtagsabgeordnete, Umwelt- und Familienministerin, Abgeordnete zum Nationalrat und Generalsekretärin. ÖVP-Frauenchefin ist sie nach wie vor, auch das Amt der Frauensprecherin hat sie nach wie vor inne, wenn auch seit der Wahl 2008 ohne Nationalratsmandat.

Für vieles hat sie sich schon stark gemacht in ihrem Leben. Da war zunächst das Engagement für die Rechte ihrer sehbehinderten Tochter. Aus persönlicher Betroffenheit gründete sie eine Elternselbsthilfegruppe und marschierte schnurstracks in das Büro des damaligen Wiener Vizebürgermeisters Erhard Busek. Ihm warf sie vor, die Behinderten in Wien schmählich im Stich zu lassen. Busek war beeindruckt, er engagierte Rauch-Kallat als Leiterin des Sozialen Hilfswerks. Einer seiner "bunten Vögel" war geschlüpft.

Wenig Reformen

Rauch-Kallat ist in der oft grauen Politszene eine schillernde Politikerpersönlichkeit, ein wenig chaotisch, humorvoll, unpünktlich, pragmatisch, im persönlichen Umgang hilfsbereit, also nicht ohne Widersprüche: Als Umweltministerin war sie ökologiebewusst, als "Gräfin" machte sie den Jagdschein. Sie urgiert mehr Frauen in politische Spitzenämter und protestierte dennoch nicht, als ein Mann, Herbert Haupt, Frauenminister wurde. Und als die VP-Frauenchefin das Amt dann selbst übernahm, musste sie sich dauernd von Rot und Grün nachsagen lassen, selbst nichts zu tun. Als Gesundheitsministerin verantwortete sie eine Gesundheitsreform, die zwar von vielen als halbherzig angesehen wurde.

Zuletzt hatte die ÖVP-Frauensprecherin recht scharfe innerparteiliche Kritik geübt. Am Parteitag in Wels im November vergangenen Jahres prangerte sie die geringe Frauenquote ihrer Partei an: Es gebe in der ÖVP zahlreiche Frauen, die mehr könnten als Kaffee kochen und Brote schmieren. "Unsere Geduld, liebe Freunde, ist zu Ende", wetterte sie, die ankündigte, sich nach ihrem Nationalrats-Aus "jetzt erst recht" der Arbeit als Frauenchefin zu widmen. (APA)

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