Belastete Kindheit schädigt Immunsystem langfristig

30. Jänner 2009, 12:21
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Körperliche Misshandlung zeigt jahrelange negative körperliche Auswirkungen

Washington - Eine belastete Kindheit kann nicht nur das seelische Wohl eines Menschen langfristig schädigen, sondern auch die körperliche Gesundheit. In einer amerikanischen Studie hatten jene Teilnehmer, die während ihrer Kindheit entweder körperlich misshandelt wurden oder in einem Waisenhaus aufwuchsen, im Jugendalter ein beeinträchtigtes Immunsystem.

Antikörper gegen Herpes-Simplex-Virus

Als Indiz für den Zustand der Körperabwehr maßen die Mediziner der Universität von Wisconsin in Madison die Antikörper gegen das Herpes-Simplex-Virus vom Typ 1 (HSV-1). Dieser Erreger ist zwar bei zwei Dritteln der Bevölkerung verbreitet, macht aber bei einem gesunden Immunsystem in der Regel keine Probleme. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem produzieren dagegen Antikörper, um das Virus zu kontrollieren.

Tatsächlich hatten jene Heranwachsenden, die in der Kindheit misshandelt worden waren, höhere Antikörperwerte als die Teilnehmer aus normalen Familien, wie die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" schreiben. Dieses Resultat fanden sie aber auch bei jenen Jugendlichen, die ihre Kindheit in rumänischen, russischen oder chinesischen Waisenhäusern zugebracht hatten und dann von amerikanischen Familien adoptiert wurden.

"Diese Kinder begannen ihr Leben in einer belastenden Umwelt, aber jetzt sind sie Jugendliche und leben seit einem Jahrzehnt in einer stabilen, wohlhabenden und liebevollen Umgebung", sagt Studienleiter Seth Pollak. "Trotzdem ist ihr Immunsystem beeinträchtigt."

Das Resultat bedrückt den Kindermediziner und Psychologe auch mit Blick auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise: Angesichts des teuren Adoptionsverfahrens könnten künftig weniger Kinder den Weg aus Heimen in Familien finden. (AP)

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