"Fall Galileo" aus dem Vatikan

1. Februar 2009, 18:25
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Neues Werk strebt "harmonische Beziehung zwischen Wissenschaft und Glauben" an

Rom - Im Internationalen Jahr der Astronomie würdigt auch der Vatikan den italienischen Physiker Galileo Galilei (1564-1642), der vor genau 400 Jahren zum ersten Mal sein Fernrohr zum Sternenhimmel richtete und durch seine bahnbrechenden Entdeckungen die Art des Denkens und die Interpretation des Universums völlig veränderte. Ende März wird im Vatikan ein Buch zum "Fall Galileo" erscheinen, das von einer von Johannes Paul II. eingerichteten Studienkommission über den aus Pisa stammenden Wissenschaftlers verfasst wurde.

"Im Werk werden die vielen Hindernisse aus dem Weg geräumt, die eine harmonische Beziehung zwischen Wissenschaft und Glauben erschweren", sagte der Präsident des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Bischof Gianfranco Ravasi, bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Initiativen des Heiligen Stuhls für das Internationale Jahr der Astronomie.

Antike Weisheit

"Es gibt eine enge Beziehung zwischen der Kontemplation des Sternenhimmels und der Religion. In fast allen Kulturen und Zivilisationen ist die Beobachtung des Himmels von einem tiefen religiösen Sinn geprägt. Bei der Beobachtung der Bewegung der Planeten und des Sternenhimmels haben die Menschen seit jeher eine Antwort auf ihre innigsten Fragen gesucht. Auch die Bibel enthält Spuren dieser antiken Weisheit, die in den ersten Seiten der Genesis die Schöpfungskraft Gottes hervorhebt", sagte der Bischof.

Von der Inquisition angeklagt

Wegen seiner Beschäftigung mit dem Weltbild Johannes Keplers wurde Galilei von der Inquisition angeklagt. 1633 musste er seinem "Irrtum" abschwören, um dem Tod auf dem Scheiterhaufen zu entgehen. Erst 1992 verkündete Papst Johannes Paul II. als Ergebnis von 13-jährigen Untersuchungen, dass sich die Kirche geirrt habe.

"Galileis Verurteilung war das Resultat eines tragischen gegenseitigen Missverständnisses zwischen dem Mathematiker und den Inquisitionsrichtern", betonten Experten des von Jesuiten verwalteten Instituts Stensen, das vom 26. bis 30. Mai in Florenz eine Konferenz über Galilei organisiert. An der Konferenz werden sich Physiker, Historiker und Philosophen beteiligen.

Keine Statue

Trotz des vatikanischen Interesses für Galilei wurde das Projekt eingefroren, in den päpstlichen Gärten eine Statue zu Ehren des Toskaners zu errichten. "Das Projekt ist vorerst auf Eis gelegt. Für die Statue gab es einen Sponsor, dem wir dann geraten haben, Ressourcen zur Finanzierung von Institutionen zur Verfügung zu stellen, die sich wissenschaftlichen und philosophischen Studien widmen. Damit wurde eine dieser Institutionen in Afrika unterstützt", sagte Ravasi. (APA)

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