Novomatic sucht das Glück im Internet

30. Jänner 2009, 10:42
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Novomatic will sich ein weiteres Standbein online aufbauen. Wurde heuer ein Rekordergebnis erreicht, rechnet die Glücksspielgruppe damit, dass die Wirtschaftskrise die Branche heuer nicht verschont

Der Gumpoldskirchner Novomatic-Konzern, der 2008 trotz Wirtschaftskrise erneut ein Rekordergebnis eingefahren hat (der Konzernumsatz stieg um 0,4 auf 2,5 Milliarden Euro, das addierte Vorsteuerergebnis legte um mehr als 20 Prozent auf 500 Millionen Euro zu), werde zukünftig "Spielecontent an regulierte Anbieter lizenzieren", sagte Novomatic-Vorstandschef Franz Wohlfahrt auf der größten Glücksspielmesse der Welt, der International Gaming Exhibition in London.

Kooperation

Eine erste Kooperation der britischen Novomatic-Tochter Astra mit dem britischen TV-Sender Sky Broadcasting sei unterzeichnet. Ab 19. Februar biete die Sky-Tochter SkyVegas.com die zwölf beliebtesten der rund 400 Novomatic-Automatenspiele über Internet an, ein Ausbau des Angebots auf interaktives Fernsehen werde ebenfalls noch heuer starten. Novomatic erhalte von Sky einen Anteil des Bruttospielertrags, den Wohlfahrt aber nicht näher beziffern wollte. Rund zwei Jahre Entwicklungsarbeit seien nötig gewesen, um die Spiele PC-tauglich zu machen. Es gebe bereits weitere Interessenten dafür, darunter auch die Online-Tochter der Casinos Austria, win2day.

Auswirkungen der Wirtschaftskrise

Für heuer rechnet Wohlfahrt mit Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Freizeit- und Unterhaltungsindustrie: In Las Vegas ging das Geschäft bereits um 25 Prozent zurück, 2009 werde es wohl auch in Europa zu spürbaren Verlusten kommen. Einem möglichen Rückgang der Automaten-Bestellungen der Spielbanken wolle man einerseits durch "kreative Vertriebskonditionen" (wie Automatenvermietung statt Verkauf) begegnen und andererseits durch eigene Spielstätten auffangen. 2008 stellte Novomatic mehr als 100.000 Glücksspielautomaten, Videolotterieterminals und Multiplayer-Anlagen her. Die Zahl der selbst betriebenen Automaten legte im Vorjahr von 85.000 auf 105.000 zu.

Belastend sei derzeit auch die Abwertung osteuropäischer Währungen, sodass Wohlfahrt 2009 in Summe mit einem "geringen Umsatzwachstum und einem Rückgang des Gewinns" rechnet. Das Umsatzwachstum soll sowohl aus dem Ausbau operativer Einheiten als aus weiteren Akquisitionen resultieren. "Wir sind liquiditätsmäßig gut aufgestellt und können antizyklisch vorgehen", sagte Wohlfahrt. Ein Großteil des Gewinns aus dem Jahr 2008 werde im Unternehmen bleiben, es seien rund 450 Millionen Euro an Investitionen geplant.

Zukäufe

Zukaufen wolle Novomatic vor allem in Südamerika und in Osteuropa. In Argentinien soll ein Assemblingwerk entstehen, dort sowie in Chile, Peru und Bolivien will Novomatic Automatencasinos betreiben. "Spielkettenbetreiber kann man jetzt zu vernünftigen Preisen übernehmen", erklärte der Novomatic-Chef. Der Ausbau der Firmenzentrale in Gumpoldskirchen und des "Stadtbüros und Kulturzentrums" im ehemaligen Verkehrsbürogebäude am Wiener Karlsplatz werden heuer in Herbst fertiggestellt. (Gabriele Kolar aus London, DER STANDARD Printausgabem 30. Jänner 2009)

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