Blindes Online-Huhn zeigt Barrieren im öffentlichen Raum auf

30. Jänner 2009, 08:40
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Kampagne der Hilfsgemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte - Mit einem Schuss Selbstironie zur Bewusstseinsbildung

Ein "blindes Huhn" zeigt Sehenden, wo es lang geht: In einem Online-Spiel der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehbehinderten kämpft sich Hahn Humphrey mit Brille und Taststock über ungesicherte Baustellen, vorbei an Postkästen und Plakatständern durch die Straßen. Das Federvieh soll zeigen, mit welchen Stolpersteinen Menschen ohne Augenlicht täglich im öffentlichen Raum konfrontiert sind. Das Spiel ist Teil einer neuen Kampagne, die wie bereits die vorangegangene "Wir sehen anders" auf Humor setzt.

Hindernis

Für Blinde und Sehbehinderte können z. B. Werbeständer und Blumentöpfe auf Gehsteigen oder schlecht angebrachte Schilder rasch zu Hindernissen werden: "Das sind kleine Dinge, die das Leben von Betroffenen aber irrsinnig erleichtern, wenn sie beseitigt sind", erklärte Projektleiterin Britta Wagner im APA-Gespräch. Hinter den Barrieren stecke keine Bösartigkeit: "Die Leute wissen es nur nicht." Deshalb wolle man mit der Kampagne "auf charmante Weise" auch diejenigen "einfangen" und informieren, die sonst wenig mit der Thematik zu tun haben. Neben dem Online-Spiel sollen auch ein TV-Spot und City Light-Plakate mit dem sympathischen Humphrey Bewusstsein schaffen.

Augenzwinkern

Die Kampagne spielt mit Klischees, lässt Selbstironie einfließen und nimmt Menschen mit Witz an die Hand. "Oft wird gefragt: 'Ist das nicht schlimm?' Aber wir dürfen das", meinte Wagner mit einem Augenzwinkern. "Humphrey wird in der internationalen Community sehr gut angenommen." Schon 2007 wurde das Thema im Rahmen der Kampagne "Wir sehen anders" mit dem TV-Spot "Blinde Piloten" humorvoll angegangen - der Spot wurde international mehrfach prämiert. Wie schon damals zeichnet auch dieses Mal die Agentur AHA Puttner red cell verantwortlich.

Schulung

Witzig und lehrreich zeigt man sich auch in Unterlagen, die z. B. für die Schulung von ÖBB- oder AUA-Mitarbeitern verwendet werden. In der Broschüre "10 Tipps" z. B. wird comicmäßig das richtige Verhalten in verschiedenen Alltagssituationen aufgezeigt - etwa, dass Blinde und Sehbehinderte nicht schlecht hören müssen oder auch im "normalen" Tempo über die Straße gehen können. Die Abbildungen stammen vom deutschen Karikaturisten Phil Hubbe, der an Multipler Sklerose erkrankt ist und in seinem Heimatland für seine "behinderten Cartoons" bekannt ist. (APA)

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