Alter Schinken, neue Regie

29. Jänner 2009, 19:41
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Auch wenn es keine Alternativen zum Zusperren hunderter Landpostämter gäbe: Wenigstens die verordnete Anstandsfrist sollen die Postfüchse einhalten - Von Luise Ungerboeck

Neues Jahr, altes Spiel. Nach diesem Motto wird das miserable Theater um die Schließung hunderter Postämter in Österreich fortgesetzt. Zwar ist das Stück derselbe alte Schinken wie im vergangenen Jahr, aber manche Darsteller sind neu.

Neo-Verkehrsministerin Doris Bures hat rasch gelernt. Sie geht mit dem Post-Management rund um Generaldirektor Anton Wais (noch) sehr konziliant um, obwohl unübersehbar ist, dass die Post-Truppe ihre Fantasielosigkeit mit Starrköpfigkeit zu kompensieren sucht. Wie sonst ist zu erklären, dass der (wenigstens) finanzkrisentechnisch halbwegs sorgenfreie gelbe Riese nach runden Tischen und Krisengipfeln sonder Zahl mit denselben Vorschlägen zu Postamtsschließungen hausieren geht, wie vor zwei Monaten?

Selbstverständlich muss die Post auf Profitabilität und Auslastung achten und auf Bedingungen pochen, unter denen sie Wirtschaftskrise und Auftragsschwund überleben kann. Postämter zusperren und überzähliges Personal auf Kosten des Steuerzahlers nach Hause schicken kann aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Aber selbst wenn es keine Alternativen zum Zusperren hunderter Landpostämter gäbe: Wenigstens die verordnete Anstandsfrist sollen die Postfüchse einhalten. Denn sonst verliert auch die Ministerin das Gesicht und kann gar nicht anders, als der teilstaatlichen Post die Aufrechterhaltung unrentable Dienste abfordern. Was dann an der Börse los ist bei den Postaktien, kann sich jeder ausrechnen.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.1.2009)

 

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