Wider die "Verschulung" der Freizeit

29. Jänner 2009, 19:05
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Sportvereine in Sorge um Schüler und sich selbst

Wien - An freundlicher Kenntnisnahme bestand kein Zweifel. Abgeordnete von SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grünen beschäftigten am Donnerstag den Wiener Gemeinderat auch mit der Frage, wie die Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Sportorganisationen gefördert werden könnte.

Initiiert haben das die Außerschulischen, die Dachverbände Askö, Asvö und Union, die die idealerweise sportlich zu nützende Freizeit von Kindern und Jugendlichen durch "Verschulung" bedroht sehen. Darunter leide neben den Schülern selbst vor allem der organisierte Sport, also die Vereine. Ihnen gehe durch die Etablierung ganztägiger Schulformen die Klientel verloren.

Dem entgegenzuwirken, wollen sich die Vereine mehr in den Schulen präsentieren und den Sportunterricht ergänzen. Das wäre mit Blick auf die Lehrpläne dringend notwendig. Von maximal vier (erste Klasse Hauptschule) bis null verpflichtende Turnstunden (Berufsschule) pro Woche reicht die Bandbreite. Nach Schulabgang sind die Jugendlichen oft gänzlich für den Sport verloren. "Wohin das führt, zeigen zum Beispiel die verheerenden Werte, die die Burschen bei der Stellungskommission des Bundesheeres abliefern", sagt Askö-Landesverbandspräsidentin Beate Schasching. "Die Vereine müssen daher die Jugendlichen in der Schule abholen."

Möglich sei das durch Vereinstrainer, die in den Schulen nachmittägliche Sportangebote betreuen. Das kostet freilich. Daher der Antrag im Wiener Gemeinderat und also der Appell an die amtsführende Stadträtin Grete Laska, sich der Sache anzunehmen.

Woher das Geld kommen könnte, wissen Schasching und ihre Präsidentenkollegen Walter Strobl (Union) und Josef Kopal (Asvö) auch schon. 1,9 Millionen Euro seien einst via Sportminister Alfred Gusenbauer für die nie umgesetzte Regierungsinitiative "Bewegte Kinder" ausgelobt worden. Die Mittel könnten losgeeist und in 90 hauptamtliche Trainerinnen und Trainer investiert werden. Etwa die gleiche Summe steht übrigens den 2000 Wiener Sportvereinen als Landesförderung zu. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 30. Jänner 2009, lü)

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