Führerkult im Test

29. Jänner 2009, 18:49
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Die Erben Jörg Haiders legen es offenbar darauf an, den Geisteszustand der Kärntner Bevölkerung zu testen

Die Erben Jörg Haiders legen es offenbar darauf an, bei den Landtagswahlen am 1. März nicht nur die politische Meinung der Kärntner Bevölkerung zu erheben, sondern auch deren Geisteszustand zu testen. Sie wollen ausloten, wie weit man die hysterische Vergöttlichung eines Provinzpolitikers an der traurigen Realität seines Endes vorbei treiben kann, bis die Passivinhalierer ihrer orangen Selchschwaden endlich einmal an der Urne sagen: es reicht. Was sie dazu treibt, ist der Mut der Verzweiflung, wissen sie doch, es wird die letzte Gelegenheit sein, den Rahm des Ruhms abzuschöpfen und in Wählerstimmen umzugießen, den sich ihr Idol in langen Jahren permanenten Händeschüttelns erworben hat.

Es gibt in der Geschichte des österreichischen Föderalismus kein Beispiel für ein solches Bedürfnis nach Divination eines Landeshauptmannes, mögen andere in dieser Rolle eine weit segensreichere Tätigkeit für ihr Bundesland korrekter beendet haben, als besoffen in den Tod zu rasen. Die öffentlichen Tränen über den Abgang des Lebensmenschen waren noch nicht trocken, da gab es schon Gelegenheit, bei der Umbenennung der größten Brücke Kärntens in "Jörg Haider-Brücke" neue zu vergießen. Die Witwe hatte die Hoffnung in eine zweite Alkoholprobe noch nicht aufgegeben, da wollte man schon das Autowrack, in dem ihr Mann zu Tode kam, durch Ankauf und Versteigerung mit monumentalem Charakter versehen und zur privaten Anbetung freigeben. Immerhin, letztlich dann doch nicht auf Regimentsunkosten.

Was liegt näher als eine Gedenkstätte an der Unfallstelle, für die die Landesregierung ein Konto einrichtet? Damit der Ort bis zu deren Fertigstellung nicht nur von Kerzen beleuchtet werde, haben angeblich Unbekannte - zur Überraschung des politischen Nachfolgers! - nun eine hundert Kilo schwere Granitskulptur deponiert. Ein Jörg Haider-Museum wird sich nicht vermeiden lassen, in Klagenfurt wird der Landhauspark seinen Namen tragen, und weil der Appell an den Intellekt seiner Anhänger dem Toten stets ein Bedürfnis war, ist eine Jörg Haider-Stiftung im Entstehen, die die wissenschaftliche Aufarbeitung seines politischen Nachlasses finanziert. Soll noch einer sagen, das BZÖ tut nichts für die Wissenschaft.

Die schönste Ehrung wird dem Verblichenen damit zuteil, dass seine Partei entgegen ursprünglich geplanter Zurückhaltung nun doch als "Liste Jörg Haider" antritt. Das ist Pietät! Und nur noch von der frohen Kunde zu übertreffen, dass die notleidende Witwe des Listenführers aus dem Jenseits mit 6000 Euro brutto Witwenrente rechnen darf, weil ihr Mann im Diesseits umsichtig genug war, im alten privilegierten Pensionssystem für Politiker auszuharren, obwohl er seiner Partei publikumswirksam eine Reform zu fordern geboten hatte.

Bleibt noch festzustellen: Haiders Kärnten hat zwei Milliarden Euro Schulden, trotz Verscherbelung der Wohnbauförderungsdarlehen sowie der Anteile von Kelag und Hypo Alpe Adria. Kärnten ist Österreichs wirtschaftliches Schlusslicht. Und Haiders Erben haben nichts geerbt, als seine Neigung zu dumpfen Witzen. Sie erzählen sie nur schlecht. Warum sollten sie also nicht gewinnen? (Günter Traxler/DER STANDARD Printausgabe, 30. Jänner 2009)

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