Präsident, Prediger und bald Pensionist

29. Jänner 2009, 18:46
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Anas Schakfeh, Präsident der Muslime, sorgt für Kopfschütteln

Die letzten Monate vor seinem Pensionsantritt haben es noch in sich: Jahrelang als auffallend zurückhaltender Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs von Politik und Vertretern anderer Religionen geachtet und geehrt, sorgt Anas Schakfeh seit Jahresbeginn mit seinen Ansichten für immer mehr Kopfschütteln.

Zuerst versetzte der gebürtige Syrer, der seit 1964 in Wien lebt, nicht nur die jüdische Gemeinde mit seinen Kommentaren zur Krise im Nahen Osten (kein Staat, also auch Israel, hätte "ein Naturrecht zu existieren") in Aufregung. Dann fiel dem 65-Jährigen angesichts der brisanten Studie, wonach hierzulande jeder fünfte muslimische Pädagoge die Demokratie ablehnt, bloß ein: "Wenn ein Lehrer eine private Meinung hat, die er nicht in der Schule äußert, dann habe ich damit nichts zu tun." Und nun monieren auch noch mehrere muslimische Verbände, dass die Amtszeit von Schakfeh nach den Statuten längst abgelaufen und ihr Präsident damit abtrittsreif sei.

Eine zufällige Häufung von Missgeschicken? Eines steht fest: Schon bisher, jedoch von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, hat der in Hama ausgebildete Imam sowie Gerichtsdolmetscher, Fachinspektor und ehemalige Religionslehrer am Gymnasium Schottenbastei die eine oder andere Aussage getätigt, die nicht nur einem offiziellen Würdenträger schlecht anstehen. Der Gazastreifen? "Gaza ist ein Straflager ähnlich einem Konzentrationslager", meinte Schakfeh, den schon mit 21 Jahren ein Medizinstudium nach Österreich geführt hat, einmal.

Fragen, ob in seiner Gemeinschaft manche Mitglieder mit islamistischem Gedankengut sympathisieren, wischt der Präsident oft mit autoritärem Ton vom Tisch. Etwa, indem er betont, dass "die Muslime in diesem Land redliche Bürger sind". So, als ob es da nicht eine einzige Ausnahme geben könnte.

Die aktuelle Aufregung um seine Person versteht Schakfeh nicht: "Wer hat die Islamische Pädagogische Akademie begründet, die für eine bessere Ausbildung der Lehrer sorgt? Wer hat die Imame-Konferenz einberufen, die ihre Loyalität zu Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten bekundete?" Nach jeder Frage gibt er sich gleich selbst die Antwort: "Das ist alles mein Werk!"

Nach zwölf Jahren an der Spitze seiner Gemeinschaft will sich Schakfeh - verheiratet, Vater von zwei Kindern - nun bald in Rente "weiterhin der Kultur und Religion" widmen. "Und zwar ohne Amt und Würden. Denn ich habe genug davon." (Nina Weißensteiner/DER STANDARD Printausgabe, 30. Jänner 2009)

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