Bessere Senkung der Blutfettwerte

8. März 2003, 10:00
posten

Rezeptormolekül für Nikotinsäure spielt Schlüsselrolle

Heidelberg - Störungen des Fettstoffwechsels können in Zukunft effektiver und schonender bekämpft werden. Deutsche Wissenschafter identifizierten jetzt einen Eiweißstoff, der dafür sorgt, dass weniger freie Fettsäuren ins Blut abgegeben werden. Bei dem Stoff handelt es sich um das Rezeptormolekül für Nikotinsäure, wie die Universität Heidelberg mitteilte. Störungen der Blutfette gehören zu den wesentlichen Risikofaktoren für arteriosklerotische Erkrankungen von Herz und Kreislauf - und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Als vorbeugende Therapie werden so genannte Lipid senkende Medikamente verordnet, meistens Statine und Fibrate, die an unterschiedlichen Stellen in den Fettstoffwechsel eingreifen. Aber auch die Nikotinsäure, ein Mitglied der Vitamin-B-Familie, wird seit langem eingesetzt. Nikotinsäure ist nach Angaben der Wissenschafter in kleinen Mengen in der Nahrung vorhanden. Sie greift unmittelbar an den Fettzellen an und bewirkt, dass weniger Triglyceride gespalten und als freie Fettsäuren in das Blut abgegeben werden.

Vermutung bestätigt

Schon seit langer Zeit vermuten Wissenschafter, dass dieser Effekt der Nikotinsäure durch einen spezifischen Rezeptor vermittelt wird. Einem Forscherteam des Instituts für Pharmakologie der Universität Heidelberg gelang es nun gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universitäten München und Düsseldorf, diesen Rezeptor mit dem Namen HM-74 "dingfest zu machen".

"Nachdem der Rezeptor für Nikotinsäure nun bekannt ist, kann gezielt nach effektiveren Wirkstoffen mit weniger Nebenwirkungen gesucht werden", erklärt Studienleiter Stefan Offermanns. Nikotinsäure selbst sei zwar durchaus wirksam und werde seit nahezu 50 Jahren als Fettsenker eingesetzt. Die Substanz müsse allerdings in sehr hohen Dosen verabreicht werden und führe daher häufig zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Juckreiz, Hautrötung, Sodbrennen und zum Teil sogar zu Leberschäden. Die Hoffnung auf einen therapeutischen Fortschritt sei durchaus begründet: Nikotinsäure lässt laut Offermanns das "gute" Blutfett HDL-Cholesterin wesentlich stärker ansteigen, als Statine dies tun. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.