Verhageltes Ergebnis bei der Post

7. März 2003, 15:44
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Massiver Gewinneinbruch und Umsatz-Rückgang - Spartentrennung führte zu eklatant höheren Kosten

Wien - Die Österreichische Post steht kurz vor ihrem ersten Privatisierungsschritt. Als besonders profitables Unternehmen hat sie sich im Vorjahr allerdings nicht erwiesen. Die Gewinne sind dramatisch eingebrochen, die Umsätze leicht zurückgegangen. Dies erfuhr die APA am Donnerstag aus Unternehmenskreisen.

Demnach hat sich der Betriebsgewinn (Ebit) um 52 Prozent von 23 auf 11 Mio. Euro mehr als halbiert. Der Umsatz ging um knapp 21 Mio. Euro von 1,504 auf 1,484 Mrd. Euro zurück. Die Post blieb damit deutlich hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. In ihren Prognosen hatte sie sowohl eine Umsatzsteigerung, als auch einen Gewinnanstieg vorgesehen: Tatsächlich lag der Umsatz 2002 dann jedoch rund 3 Prozent oder 50 Mio. Euro, das Ebit gar um 76 Prozent oder 34 Mio. Euro unter Plan.

Keine Sonderdividende

Eine Sonderdividende der Österreichischen Post AG für 2002 ist nicht zu erwarten. Grund dafür sei allerdings nicht nur der Ergebniseinbruch. Auch der mögliche Verkauf der Österreichischen Post spreche gegen so einen Schritt, hieß es sowohl aus ÖIAG-, als auch aus Post-Kreisen am Montag weiter. "Ein künftiger Käufer würde wohl nicht verstehen, wenn die Post vorher ausgeblutet würde", meinte ein Beobachter. Die endgültige Entscheidung über eine Sonderdividende soll aber erst bei der Post-Hauptversammlung am 15. Mai fallen.

Für das laufende Jahr 2003 erwartet die Staatsholding ÖIAG von der Österreichischen Post AG dem Vernehmen nach wieder einen kräftigen Gewinnanstieg auf 40 Mio. Euro. Der Post-Eigentümer hat damit die hausinternen Prognosen der Post verdoppelt. Die Post war in ihren eigenen Plänen von 20 Mio. Betriebsgewinn (Ebit) ausgegangen, hieß es aus den Kreisen weiter zur APA. Auch der Umsatz soll heuer wieder leicht steigen.

Minus bei Brief- und Medienpost

Grund für den Ergebniseinbruch im Vorjahr war laut Quelle vor allem ein Rückgang in den Bereichen Brief, Infomail (Massen- bzw. Werbesendungen) und Medienpost. Darüber hinaus hat die Mitte 2002 erfolgte Teilung des Unternehmens in die fünf Sparten die Kosten um fast 30 Prozent erhöht: Statt davor monatlich 3,5 Mio. Euro liegen diese nun monatlich bei 4,5 Mio. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale soll um 130 Mitarbeiter gestiegen sein. Ein Zuwachs der Kosten in der Güterbeförderung um mehr als zehn Prozent auf 50,5 Mio. Euro soll das Ergebnis zusätzlich belastet haben.

Verbessert werden soll das Ergebnis nun im heurigen Jahr zum einen durch die angekündigte Tariferhöhung. Wie berichtet, werden Briefsendungen mit 1. Juni um bis zu 30 Prozent teurer. Der Preis für den Standardbrief (bis 20 Gramm) wird statt 51 künftig 55 Cent kosten. Pakete werden bereits mit 1. Mai teurer.

Verkaufsvorbereitungen

Auch die Vorbereitungen für einen Verkauf der Post sind unterdessen bereits im Gange. Die Investmentbank JP Morgan führt derzeit eine Unternehmensbewertung durch, die bis April fertig sein soll. Für rund drei Viertel der Österreichischen Post wurde zuletzt ein Kaufpreis von 1,5 bis 2 Mrd. Euro kolportiert, was laut ÖIAG allerdings zu hoch gegriffen ist. Beobachter halten einen Kaufpreis über 1 Mrd. Euro allerdings für realistisch. Allein das Anlagevermögen des Unternehmens ist 1,1 Mrd. Euro wert.

Als Favorit für einen Einstieg gilt die Deutsche Post. Die neue Bundesregierung hat in ihrem Regierungsprogramm die Suche nach einem Partner als ersten Privatisierungsschritt für die Österreichische Post festgelegt. Ein Ministerratsbeschluss dazu ist allerdings noch ausständig und soll frühestens nächste Woche fallen. (APA)

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    montage: derstandard.at
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