Kontroverse über "Anregung zur Lüge"

6. März 2003, 15:06
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ÖVP-Landesrätin Haidinger riet Frauen eine bestehende Schwangerschaft bei einem Bewerbungs- gespräch zu verheimlichen

Salzburg - Für viele Diskussion hat die Aufforderung von Salzburgs Familienlandesrätin Maria Haidinger (V) an Frauen gesorgt, bei einem Bewerbungsgespräch eine bestehende Schwangerschaft zu verheimlichen. Sie hatte werdenden Müttern signalisiert, dass in so einem Fall Lügen erlaubt sei. Seit ihrer Aussage würden in ihrem Büro die Telefone heiß laufen, teilte Haidinger am Mittwoch mit. Einerseits gebe es viele betroffene Frauen, die über ihre Situation berichten. Andererseits käme der Vorwurf der Wirtschaftsfeindlichkeit und der Aufforderung zur Lüge.

Berufung auf geltende Rechtslage

Diesen Vorwurf will Haidinger nicht auf sich sitzen lassen. Sie beruft sich auf die geltende Rechtslage. Der Gesetzgeber habe schwangere Frauen mit Recht in besonderer Weise geschützt und auch der Oberste Gerichtshof habe in diesem Zusammenhang von einem "Recht auf Lüge" gesprochen, also vom Recht der Frauen, bei einem Bewerbungsgespräch eine Schwangerschaft zu verheimlichen, betonte Haidinger. Es könne deshalb nur legitim sein, junge Frauen über ihre Rechtsposition zu informieren und ihnen damit die Wahlfreiheit zu geben, ob sie ihr Recht ausüben wollen oder nicht.

Echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie erwünscht

Sie würde sich als Folge der Diskussion wünschen, dass in Wirtschaft und Gesellschaft ein neues Problembewusstsein im Sinne der betroffenen Frauen entstehe. Ziel sei eine echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. "Die bestehende Situation, die in erster Linie auf Kosten der Frauen geht und dabei Unternehmer mit sozialem Gewissen gegenüber ihrer Konkurrenz benachteiligt, halte ich jedenfalls für unerträglich", sagte Haidinger.

Die Landesrätin hatte am Dienstag vom Fall einer jungen Medizinerin berichtet. Die Frau hatte eine Zusage auf eine sechsmonatige Turnusstelle. Als sie kurz vor Dienstantritt schwanger wurde und dies dem künftigen Arbeitgeber mitgeteilt hatte, hatte man sie gedrängt, auf die Stelle zu verzichten. Die junge Frau beugte sich dem Druck und verlor nicht nur ihr Entgelt, sondern auch Mutterschaftsleistungen, Pensionsversicherungszeiten und Ausbildungszeit, schilderte Haidinger den Fall.(APA)

  • ÖVP-Familienlandesrätin Haidinger
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