Forstwirte fordern Schrott­prämie für Betonbauten

29. Jänner 2009, 18:12
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Eine offensivere, mehr auf den Baustoff Holz abgestellte Baupolitik würden sich die Forstwirte wünschen

Wien - Die Forderungen von Felix Montecuccoli klingen ein bisschen trotzig, so nach dem Motto: Wenn die anderen Wirtschaftsbranchen so etwas fordern, fordern wir es auch. Also plädiert der Präsident der Land- und Forstbetriebe Österreichs für Verschrottungsprämien für Betonbauten und alte Ölheizungen. "Alte Betonbauten mit Styropor zu ummanteln und eine neue Heizung einzubauen kann ja nur der erste Schritt sein" , argumentiert er. Forciert werden sollte hingegen Holz als Baustoff von Ein- und Mehrfamilienhäusern.

Und die Werbeschiene "Pro Holz" , die sich die Branche jahrelang selbst finanzierte, sollte mit staatlicher Hilfe um eine Million Euro aufgestockt werden, fordert er. Die Branche könnte damit in Zukunft für 5,5Millionen Euro jährlich die Vorzüge des nachwachsenden Rohstoffes öffentlich machen. Anlehnung für die Pro-Holz-Forderung nimmt Montecuccoli bei der Tourismusorganisation Österreich Werbung, die für ihre Marketingmaßnahmen im In- und Ausland auch staatliche Zuwendung vom Bund bekommt.

Schwierige Lage

Begründet werden diese Forderungen mit der schwierigen Lage, in der sich die Forstwirte befinden. Einerseits laborieren sie noch immer an den Folgen der Stürme "Kyrill" , "Paula" und "Emma" , durch die viel billiges Bruchholz auf den Markt kam. Die Rekordernte, die es 2007 gab, wurde damit 2008 nochmals übertroffen. Andererseits verspürten sie sofort den Abbruch der Wirtschaftskonjunktur im Vorjahr, was zu einem jähen Stopp bei Infrastrukturinvestitionen und beim Bau führte. Montecuccoli: "Dass der Hausmarkt in den USA zusammengebrochen ist, haben wir sofort gespürt."
Als Ergebnis dieser Entwicklungen sackten die Preise für Holz in allen Qualitätsklassen ein; die Lager sind übervoll. Die zunehmende Nachfrage nach Energieholz (etwa für die Pelletsproduktion) konnte den konjunkturell zurückgehenden Bedarf bei anderen Holzklassen nicht kompensieren, dies vor allem, weil Energieholz zu den billigen Preisklassen gehört. Als Ergebnis der geänderten Einschlagstruktur, die sich aus der Aufarbeitung der Stürme ergab, sind die Durchschnittserlöse der Forstbetriebe um rund zehn Prozent gesunken. Man liege nun unter der Preisgrenze, ab der eine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben werden könne.

Keine Entwarnung für 2009

Auch für 2009 könne keine Entwarnung gegeben werden. Noch immer belasten die waldbaulichen Kosten und die Sanierung der Forststraßen die Bilanzen der Betriebe. Die Exporte nach Italien sind eingebrochen. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.9.2009)

 

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