Schaeffler holt sich Korb vom Staat

29. Jänner 2009, 18:06
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Die hochverschuldete Schaeffler-Gruppe blitzt beim deutschen Finanzminister Peer Steinbrück ab

"Wir werden Lösungen finden." Zu diesem knappen Statement sah sich die sonst so verschwiegene Maria-Elisabeth Schaeffler am Donnerstag genötigt. Doch noch ist die Österreicherin, die der fränkischen Schaeffler-Gruppe vorsteht, längst nicht am Ziel. Sie hat ja bei der deutschen Bundesregierung angeklopft und bittet um Staatsgeld für ihr Unternehmen.

Zwei Varianten

Zwei Varianten liegen dabei auf dem Tisch: Entweder soll es Bürgschaften von zwei bis vier Milliarden Euro für die Schaeffler-Gruppe geben. Oder der Staat steigt gleich direkt beim fränkischen Autozulieferer ein. In diesem Fall soll der Staat Aktien kaufen, was dieser aber strikt ablehnt.
Auch die Frage der Bürgschaften wird in Berlin unterschiedlich bewertet. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) lässt Chefin Schaeffler abblitzen. "Es ist nicht Aufgabe des Staates, in solchen Fällen einzugreifen, in denen unternehmerische Entscheidungen möglicherweise nicht durchdacht genug waren" , sagt er. Und: "Wir können es doch keinem Menschen erklären, Unternehmen, hinter denen Milliarden-Vermögen stehen, mit Steuergeldern zu unterstützen." Damit spielt Steinbrück auf das Privat-Vermögen der Milliardärin Schaeffler an. Sie zählt laut Forbes mit einem Vermögen von 5,3 Milliarden Euro zu den reichsten Frauen der Welt. Zuvor hatten deutsche Boulevardmedien (Bild-Zeitung, Münchner Abendzeitung) getitelt: "Frau Milliardärin braucht Staatshilfe" und "Milliardärin will an unser Steuergeld" .
Weniger skeptisch ist der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Schaeffler müsse zunächst einmal ein "tragfähiges Zukunftskonzept unter Beteiligung der wichtigsten Banken" vorlegen, heißt es in seinem Ministerium. Dann sei der Bund bereit, weiter mit Schaeffler und den betroffenen Bundesländern zu verhandeln - allerdings nur unter Federführung der Bundesregierung.

Kein Stopp der Übernahme

An dem Krisengespräch hatten neben Finanz- und Wirtschaftsministerium auch die Ministerpräsidenten der Länder Niedersachsen (wo Conti seinen Sitz hat) und Bayern (Heimat der Schaeffler-Gruppe) teilgenommen. Bei der bayerischen Regierung hat Schaeffler auch schon um Geld angefragt.
Der fränkische Kugellager-Spezialist steht wegen des Conti-Deals schwer unter Druck. Schaeffler hatte auf Pump 90 Prozent der dreimal größeren Continental gekauft und dafür zehn Milliarden Euro bezahlt. Jetzt ist Conti an der Börse aber nur noch zwei Milliarden Euro wert. Dass sie sich überhoben hat, verneint Maria-Elisabeth Schaeffler. Absagen kann sie die Übernahme aus juristischen Gründen nicht mehr. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.1.2009)

 

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    Maria-Elisabeth Schaeffler, Chefin des hochverschuldeten Autozulieferers gleichen Namens.

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