Garagenbau bedroht Markt

29. Jänner 2009, 17:31
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Im Stadtsenat beschlossene Tiefgarage unter dem Benediktinerplatz sorgt für Aufregung

Klagenfurt - Dem Spezialitätenmarkt auf dem Klagenfurter Benediktinerplatz droht der "Todesstoß" . Das befürchten jedenfalls die Standler. Im Klagenfurter Stadtsenat haben ÖVP, SPÖ und BZÖ kürzlich klammheimlich beschlossen, unmittelbar neben dem beliebten Klagenfurter Benediktinermarkt eine Tiefgarage samt darüberliegendem fünfstöckigen Geschäfts- und Bürohaus zu errichten. Nur die Grünen stimmten dagegen. Der jahrhundertealte Marktplatz gehört der Stadt.
Um Platz für die Zu- und Ausfahrt der 650 Stellplätze umfassenden Tiefgarage zu schaffen, müsste die Markthalle im Westen abgerissen und die Marktfläche um ein Drittel verkleinert werden. Staub und Autolärm würden die idyllische Marktatmosphäre zerstören. Abgase aus den Entlüftungsschächten würden die großteils im Freien angebotene Bio-Ware erheblich belasten, empört sich eine Standlerin: "Man ist eiskalt über uns drübergefahren." Sie befürchtet, wie viele andere, während des Baus erhebliche Geschäftseinbußen.

Damit werde "das Herzstück des alten Klagenfurt zerstört" , glaubt auch Grünen-Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann. Anstatt eine Tiefgarage zu bauen, solle das Marktensemble unter Denkmalschutz gestellt werden, fordert sie.

Die Tiefgarage wird aber nicht die Stadt selbst, sondern das ÖVP-nahe Kärntner Siedlungswerk errichten, dem ein Nutzungsrecht von 90 Jahren eingeräumt wird.

Bedarf an den Parkflächen wurde bereits vom Hotel Sandwirt, der Volksbank, die in das verwaiste Hauptpostgebäude einziehen wird, und von der Finanzlandesdirektion angemeldet. Nur ein kleiner Teil der Stellflächen würde für Marktbesucher übrig bleiben.

Für die Marktstandler, darunter viele Bauern, dürfte es auch nach Bauende finanziell eng werden. Denn laut den Plänen, die dem Standard vorliegen, ist im Erdgeschoss des Garagen-Gebäudekomplexes ebenfalls eine Marktfläche vorgesehen. Feinkost- und Bioketten könnten dort einziehen und die kleinen Standler draußen zu Tode konkurrenzieren.

Die Klagenfurter SPÖ bemüht sich jetzt um Schadensbegrenzung. SPÖ-Vizebürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz stellt das Projekt wieder in Frage: "Wir sind getäuscht worden. Unsere Zustimmung wurde unter falschen Voraussetzungen erschwindelt. Man hat uns gesagt, alle Standler wären in die Baupläne eingebunden gewesen, doch das war offenbar nicht so." Das Projekt muss noch im Gemeinderat abgesegnet werden. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD - Printausgabe, 30. Jänner 2009)

 

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