Macht sich für Voggenhuber stark

29. Jänner 2009, 17:16
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Dieser habe zwar "einen unmöglichen Charakter“, bringe aber auch Wähler, so der Fraktionschef der Grünen im EU-Parlament

Der Fraktionschef der Grünen im EU-Parlament, Daniel Cohn-Bendit, tritt für eine erneute Kandidatur Johannes Voggenhubers ein. Dieser habe zwar „einen unmöglichen Charakter", bringe aber auch Wähler.

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In die Diskussion um die erneute Kandidatur von EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber bei den Parlamentswahlen am 7. Juni hat sich nun auch die grüne Fraktion im EU-Parlament eingeschaltet. Fraktionschef Daniel Cohn-Bendit sagte im Gespräch mit dem Standard, es handle sich um einen Konflikt zwischen der Demokratie in der Partei und der allgemeinen Demokratie.

"Ich habe sehr oft mit Johannes Voggenhuber gestritten, und er hat einen unmöglichen Charakter, aber deswegen sage ich um so freier, er hat sich eine sehr starke Vision der europäischen Demokratie angeeignet. Und das macht ihn zu einem fast unverzichtbaren Mitglied der europäischen Grünen."

Man könne immer darüber streiten, wie er die Sachen mache, aber seine Qualitäten seien von allen anerkannt. Die österreichischen Grünen sollten die Angelegenheit sportlich nehmen. Es gebe einen Konflikt legitimer Positionen. Auf der einen Seite die Partei, die nach internen Diskussionen die Spitzenkandidaten für die Wahl (Ulrike Lunacek und Eva Lichtenberger) gekürt hätte. Das sollte man nicht in Frage stellen. „Auch Parteien brauchen Regeln, damit sie funktionieren." Auf der anderen Seite gebe es möglicherweise bei den potenziellen Wählern der Partei eine andere Sicht der Dinge.

"Wer ist jetzt der Souverän, die Partei oder die Wähler? Diese Frage ist interessant," meinte Cohn-Bendit. Voggenhuber wolle nur den letzten Listenplatz und strebe keinen Vorzugstimmen-Wahlkampf an. „Das halte ich für einen Fehler. Wenn schon, denn schon."

Für die EU-Wahl und die österreichischen Grünen wäre dies ein absolutes Plus. "Diejenigen, die Johannes Voggenhuber haben wollen, werden wählen gehen. Und diejenigen, die eine andere Sicht der Dinge haben, werden ebenfalls mobilisieren."

In einer Wahl, bei der es auch um die Wahlbeteiligung gehe, könnten die Grünen ihr Potenzial durch diesen interessanten und spannenden Konflikt voll ausschöpfen. "In dieser Auseinandersetzung können die österreichischen Grünen nur gewinnen und statt zwei drei Mandate einfahren. Es lohnt sich und es gibt kein Risiko."

Es wäre also völlig unverständlich, wenn Voggenhuber nicht auf die Liste käme, die heute, Freitag, vom erweiterten Bundesvorstand beschlossen werden soll. "Die Partei muss jetzt Größe zeigen," sagte der Fraktionschef. (DER STANDARD Printausgabe, 30. Jänner 2009)

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    Der Fraktionschef der Grünen im EU-Parlament, Daniel Cohn-Bendit, plädiert für einen Vorzugstimmen-Wahlkampf von Johannes Voggenhuber. Die Grünen würden unter dem Strich davon profitieren.

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