Schuhwurf: Sarkozy ließ Präfekten strafversetzen

29. Jänner 2009, 17:32
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Im Gegensatz zu seinem Ex-Amtskollegen Bush zeigt Frankreichs Präsident Härte: "Sorgen Sie für seine Entlassung"

Paris - US-Präsident George W. Bush hatte es ostentativ mit Humor genommen, als er bei seiner Abschiedsvisite in Bagdad von einem irakischen Journalisten mit dessen Schuhen beworfen worden war. Frankreichs Staatsoberhaupt kennt dagegen kein Pardon: Weil Demonstranten bei einem Besuch Nicolas Sarkozys ebenfalls mit Schuhen geworfen hatten, ließ der Präsident kurzerhand den Präfekten des Departements Manche strafversetzen. Das berichtete die Zeitung "Le Figaro" am Donnerstag.

Vor gut zwei Wochen hatte Sarkozy im nordfranzösischen Ort Saint-Lo eine Schule besucht und sich zur umstrittenen Bildungsreform geäußert. Dabei war es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. In Anlehnung an den Protest des irakischen Journalisten gegen Bush wurde dabei auch mit Schuhen geworfen. "Sorgen Sie für seine Entlassung", soll Sarkozy am nächsten Morgen seine Mitarbeiter zur Bestrafung des Präfekten angewiesen haben. Das Kabinett beschloss daraufhin die Versetzung des Beamten als "Präfekt in Sonderstellung", laut "Le Figaro" handelt es sich dabei um "eine höfliche Umschreibung für die politische Besenkammer", bemerkte.

Sarkozy sorgte mit der Versetzung selbst in den eigenen Reihen gesorgt für Empörung. Es sei "skandalös", dass der Präsident den Präfekten aus einem Verwaltungsgebiet am Ärmelkanal nach Paris versetzt habe, sagte der konservative Senator Jean-François Legrand am Donnerstag. Es gehe nicht an, dass ein Vertreter des Staates "wie ein Taschentuch behandelt" werde. Der Präsident war angeblich erzürnt über den Präfekten Jean Charbonniaud, nachdem bei seinem Besuch in dessen Bezirk rund 3000 Menschen teils lautstark gegen ihn protestiert hatten.

Sarkozy sei "sehr genervt" gewesen, als die Demonstranten ihn unlängst bei seinem Besuch in Saint-Lô auspfiffen, wie sein Parteifreund Philippe Gosselin berichtete, der den Präsidenten begleitet hatte. Dennoch sei "diese Bestrafung" sehr bedauerlich und ein "schlechtes politisches Signal", sagte der Abgeordnete der Regierungspartei UMP. Ein Oppositionspolitiker aus dem Gebiet sprach von einem "nicht hinnehmbaren Machtmissbrauch".

Vergangenes Jahr war der Polizeichef der französischen Mittelmeerinsel Korsika versetzt worden, nachdem es Demonstranten gelungen war, die Villa eines Schauspielers zu besetzen, mit dem Sarkozy befreundet ist. (APA/dpa)

 

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