HP Mini 701eg: Das Netbook mit dem gewissen Look

2. Februar 2009, 14:24
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Hewlett Packard gelingt ein durchaus ansehnliches Produkt, patzt aber vor allem beim Display - der neue "Mini" im Test

Mit dem EeePC ist dem Hardwarehersteller ASUS ein echter Überraschungserfolg gelungen: Nicht nur dass sich der im Herbst 2007 erstmals vorgestellte Schmalspur-Laptop innerhalb kürzester Zeit zum Kassenschlager entwickelte, begründete er eine ganz neue Klasse von Rechnern: Die Netbooks. Ein Markt, den sich mittlerweile kaum mehr ein Hersteller entgehen lassen will – oder kann.

HP

Mit Hewlett-Packard gehört dazu auch einer der größten PC-Produzenten der Welt, seit kurzem ist nun das neueste Netbook des Herstellers auf dem österreichischen Markt erhältlich: Der HP Compaq Mini 701eg. Schon beim ersten Auspacken sticht dabei das für diese Preissparte ungewohnt edle Äußere ins Auge. Hinterlassen Netbooks sonst gern mal einen leicht "trashigen" Beigeschmack, zeigt sich der neue HP Mini hier von seiner besten Seite.

Größe

Mit einem 10,2 Zoll durchmessenden LED-beleuchteten Bildschirm gehört das 701eg zu den größeren Vertretern seiner Zunft. Beim Display zeigt sich dann aber auch gleich, dass sich gutes Aussehen und optimale Funktionalität nicht immer uneingeschränkt vereinbaren lassen: So besitzt das Netbook eine stark spiegelnde Bildschirmoberfläche, dies sieht zwar auf Fotos gut aus, den Praxiseinsatz beschränkt man damit allerdings auf den Indoor-Bereich. Im Freien lässt sich mit so einem Gerät aufgrund der starken Reflexionen hingegen kaum arbeiten.

foto: hersteller

Die Standardauflösung beträgt 1024x600 Pixel, womit auch das Arbeiten mit nicht speziell angepassten Interfaces – wie sie bei manchen Netbooks zum Einsatz kommen, problemlos funktioniert. Das Display produziert zwar an sich ein recht helles und gutes Bild, allerdings nur wenn man wirklich direkt davor sitzt, die schlechte Winkelabhängigkeit führt schnell zu Farbverschiebungen.

Display

Nicht ganz unproblematisch auch eine der zentralen Design-Entscheidungen des 701eg: Eine große Schanier verbindet das Display mit dem restlichen Gehäuse, darin sind auch die Lautsprecher des Geräts untergebracht. Was zu einem stark überdurchschnittlich guten Klang – in dieser Computerkategorie – führt, hat aber auch die Konsequenz, dass sich das Display nur begrenzt weit nach hinten drehen lässt. Gerade für größere Menschen ist so ein optimaler Blickwinkel beim Arbeiten am Schreibtisch nur schwer herstellbar.

Tastatur

Ein echter Vorteil eines Netbooks in der 10-Zoll-Klasse ist hingegen, dass ausreichend Platz für eine zumindest brauchbare Tastatur vorhanden ist. Hier hat HP an sich recht gute Arbeit geleistet, wobei allerdings angemerkt werden muss, dass die vollkommen flache Oberfläche der Tasten und der geringe Tastenzwischenraum, die "Blind"-Orientierung beim Tippen etwas erschweren. Da das HP Mini 701eg äußerst kompakt gebaut ist, liefert der Hersteller eine Tucheinlage mit, die die Übertragung von Verschmutzungen von der Tastatur auf den Bildschirm verhindern sollen.

foto: hersteller

Ein weiteres Zentrales Element des Geräts ist das Touchpad, etwas gewöhnungsbedürftig dabei, dass die zugehörigen Tasten links und rechts davon angebracht wurden, was allerdings dem begrenzt zur Verfügung stehenden Platz geschuldet ist. Eine äußerst löbliche Idee ist es hingegen einen Ein- und Ausschalter für das Touchpad unterhalb der Tastatur zu platzieren, auf diese Weise kann bei längerem Tippen verhindert werden, dass das unabsichtliche Ankommen am Touchpad unerfreuliche Konsequenzen hat. Ein Feature, das man sich auch für so manches "große" Notebook wünschen würde.

CPU

Kommen wir zum Hardware-Innenleben des 701eg: Angetrieben wird das Ganze von einer Intel Atom N270 CPU, die mit 1,6 GHz getaktet ist. An Speicher stehen 1 GB RAM zur Verfügung, um die Grafikausgabe kümmert sich das integrierte Intel GMA 950 Chipset – alles Komponenten, die weitgehend zur Standardausstattung aktueller Netbooks zählen.

Speicher

Zur Datenspeicherung ist eine 60 GByte umfassende Festplatte verbaut, die in einem 1,8-Zoll-Formfaktor-Gehäuse steckt und mit 4.200 Umdrehungen/Minute dreht. Die Netzwerkanbindung erfolgt entweder per WLAN (802.11 b/g) oder per Ethernet (10/100 MBit/s). Der Anschluss für letzteres befindet sich übrigens etwas versteckt unter einer Plastikabdeckung an der vorderen linken Seite des Geräts, eine Position die jedoch nicht wirklich optimal gewählt ist: Durch die Lage steht ein angehängtes Kabel schon gerne mal im Weg herum.

Anschlüsse

Gleich daneben dann ein kombinierter Audio-Ein- und -Ausgang, sowie ein HP-spezifischer Erweiterungsstecker. An diesen sollen sich früher oder später verschiedenste externe Geräte anschließen lassen, derzeit beschränkt sich dies allerdings noch auf einen Umstecker für einen VGA-Anschluss. Weitere Anschlussmöglichkeiten zur Außenwelt bieten sich über zwei USB 2.0-Ports sowie einen SD/MMC-Kartenleser.

Prinzipielles

Auch wenn das eigentlich bei Netbooks klar sein sollte, aber damit keine Missverständnisse entstehen: Performance-Wunder sollte man sich von solch einer Plattform natürlich nicht erwarten, die Intel Atom-CPU kann sich logischerweise nicht annähernd mit den aktuellen Core2Duo-Prozessoren in "normalen" Laptops messen. Zwar schlägt sich das ausgelieferte Windows bei Office-Anwendungen recht wacker, aber schon bei komplexeren Web-Seiten mit mehreren Animationen kam es im Test immer wieder zu "Hängern" beim Scrollen. Ein nachinstalliertes Linux-System bot hier zwar etwas Besserung, spätestens beim Versuch HD-Videos auf Youtube abzuspielen, ist dann aber das sprichwörtliche Ende der Fahnenstange erreicht – aber dafür sind ja Netbooks auch nicht ausgelegt.

foto: hersteller

Apropos Software: Von Haus aus installiert HP auf seinem neuen Rechner Windows XP Home als Betriebssystem, zumindest Windows-intern eine weise Entscheidung: Vista wäre auf einem solchen Gerät wohl kaum zu gebrauchen. Zusatzprogramme installiert der Hersteller praktisch keine, lediglich ein eigenes Tool für die integrierte Webkamera ist enthalten.

Linux

Im Test wurden auch zwei Linux-Varianten auf dem Gerät ausprobiert: Da wäre einmal EasyPeasy, ein speziell auf Netbooks optimiertes Ubuntu-Derivat, das sich mit vorinstallierten Multimedia-Codecs und einfacher Installation gerade für EinsteigerInnen anbietet.

EasyPeasy

Das Einrichten des Systems verlief problemlos, die Hardware wurde durchwegs korrekt erkannt, dies inkludiert auch die eingebaute Webcam – in der Vergangenheit schon mal ein Problembereich unter Linux. Auch das das Versetzen in den Schlafzustand funktionierte einwandfrei, das Aufwachen daraus erfreulich flott. Externe Software wie Skype oder der Adobe Flash Player sind hier schon von Haus aus mit dabei.

Moblin

Etwas experimenteller da schon der Einsatz der gerade erst veröffentlichten Alpha-Version von Intels eigenem mobilen Linux Moblin 2 Core. Ein Versuch, der sich aber durchaus lohnt, zeigt er doch auch auf, dass sich mit softwareseitigen Optimierungen im Netbook-Bereich noch einiges machen lässt. Die Boot-Zeit des Moblin-Systems ist schlicht beeindruckend, in unseren Tests war es um den Faktor zwei bis drei schneller beim fertigen Desktop als Windows oder EasyPeasy. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel zur Veröffentlichung der Moblin 2 Core Alpha.

Batterie

Doch noch einmal zurück zur Hardware: Keine sonderlichen Lorbeeren verdient sich der HP Compaq Mini 701eg in Bezug auf seine Laufzeit, etwas mehr als 2 Stunden sind bei durchschnittlicher Benutzung zu erwarten. Bei intensiven Rechneraktivitäten wird die Unterseite des Gehäuses relativ warm, allerdings werden die erträglichen Grenzen nicht überschritten. Dagegen hilft auch der Lüfter nicht, der deutlich hörbar unablässig seine Arbeit verrichtet. Das Gewicht des Geräts liegt bei 1,02 kg.

Fazit

Zusammengefasst liefert HP mit dem Mini 701eg für den Preis von rund 400 Euro ein durchaus ansprechendes Netbook ab, vor allem jene die gesteigerten Wert auf die Optik der eigenen Hardware legen, werden sich hier heimisch fühlen. Der "große Wurf" ist der neue "Mini" allerdings nicht, dazu gibt es einfach zu viele kleinere und größere Probleme, vor allem in Bezug auf das Display gibt es noch reichlich Verbesserungspotential für etwaige Nachfolger. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 30.01.2009)

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