Banker schwören: Ziehen kein Geld ab

29. Jänner 2009, 13:42
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Erste Group: "Rechtlich gar nicht möglich" - Raiffeisen will Töchtern bei Bedarf Kapital weiterleiten - Bank Austria: Wir bleiben

Wien  - Die in Osteuropa aktiven österreichischen Großbanken fühlen sich bemüßigt, Sorgen vor Ort und auch in Brüssel entgegenzutreten, sie würden in der jetzigen Wirtschaftskrise Geld bzw. Kapital aus ihren Töchtern im Osten abzuziehen. Experten auch am Finanzplatz Wien sehen aber die Gefahr, dass aus aktuellen Rückzahlungsverpflichtungen der Geldfluss zwischen lokalen Banken in der Region zum Stillstand kommen kann.

"Alles was zurückgeführt werden muss und nicht ersetzt wird, ist auf Sicht ein effektiver Abfluss", sagte ein Bankexperte am Donnerstag zur APA. Da gehe es um Kredite zwischen lokalen Banken in Osteuropa ebenso wie um Anleihen. Der Markt für Anleiheemissionen in der Region liege derzeit ohnedies darnieder. Die Rede ist von einem zumindest "stark reduzierten Zugang". Lokale Banken mit westlichen Eigentümern im Rücken täten sich leichter, sich zu refinanzieren. Aber auch sie können sich nicht sicher sein, abreifende Mittel von anderen lokalen Banken im Interbankgeschäft voll oder zu den früheren Bedingungen ersetzt zu bekommen, weil die selber ihre Mittel horten.

Mehr als 70 Tochterbanken österreichischer Kreditinstitute gibt es in Ost- und Südosteuropa und angrenzenden Ländern (z.B. Russland, Ukraine). Die lange Jahre stark gewachsene Region schlittert gerade in eine Rezession.

Angespannte Situation

Der Markt für Interbankenkredite auf den lokalen Märkten dürfte sich anspannen, heißt es in der Branche, wenngleich die im Osten starken österreichischen Großbanken unisono versichern, aktuell keine Kreditlinien kürzen zu wollen. Die Branche muss sich freilich darauf einstellen, dass mit dem Wirtschaftsabschwung in der Region mehr Kredite an Haushalte und Firmen faul werden. Auch die Währungsverluste bringen Probleme. Immerhin sind Österreichs Banken in Osteuropa die mit Abstand größten Kreditgeber. Fast ein Fünftel aller Ausleihungen, die EU-Banken in den Osten vergeben haben, stammten von Österreich-Banken oder deren Osttöchtern.

Betreten waren die Reaktionen am Finanzplatz Wien über die gestern vom Internationalen Währungsfonds (IWF) nach unten revidierten Prognosen für Osteuropa oder auch Länder wie Russland. Für Russland (-0,7 Prozent) und die mittel- und osteuropäischen Staaten (-0,4 Prozent) schauen die Wirtschaftsaussichten heuer trist aus, schrieb der IWF.

"Bleiben langfristiger Investor"

Bank Austria-Chef Erich Hampel, der im UniCredit-Konzernvorstand Osteuropa verantwortet, hat zur vorwöchigen Euromoney-Osteuropakonferenz in Wien versichert, dass UniCredit als langfristiger Investor in der Region bleiben und auch die Kreditvergabe nicht stoppen werde. "Wir werden alles tun, um eine Kreditklemme zu vermeiden." Die internationalen Banken würden ihren Part beitragen. In den Budgets seiner Gruppe für 2009 sei vorgesehen, "dass wir alle Linien verlängern" und wenn nötig ausdehnen. UniCredit werde die Ostbanken weiter mit den nötigen Mitteln (Liquidität) ausstatten. Kapitalerhöhungen in den CEE-Töchtern stünden hingegen nicht auf der Agenda.

"Wir ziehen nichts von den lokalen Banken ab", sagte ein Sprecher der Erste Group am Donnerstag, weder Kapital noch Barmittel. "Das ginge rechtlich auch gar nicht". Und man schränke auch die Kreditvergabe nicht ein. "Wir sehen auch keine solche Dramatik." Vorsichtig zurückgefahren würden nach Worten von Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny durch die Österreicher in der Region jetzt die Fremdwährungskredite, von der Nationalbank immer schon skeptisch beäugt.

Langfristig positive Perspektiven

Auch wenn die Wirtschaftskrise in Ost- und Südosteuropa aufschlägt, sieht auch Nowotny für die dortigen Volkswirtschaften und die dort tätigen österreichischen Banken langfristig positive Perspektiven. "Die österreichischen Banken sind in der Lage und bereit, dort zu bleiben", zerstreute er am Mittwochabend Sorgen davor, dass in der Krise jetzt Bankenkapital von dort abgezogen werden könnte. Die RZB habe schon bei der Russlandkrise gezeigt, "dass man in schweren Zeiten seine Freunde nicht verlässt".

Raiffeisen-International-Chef Herbert Stepic hatte am Wochenende bestätigt, dass die heimischen Banken für Osteuropa genauso Eigenkapitalbedarf hätten wie für Österreich. Bei Raiffeisen wurde am Donnerstag gegenüber der APA versichert, dass die Osttöchter bei Kapitalbedarf auch aus "Polstern" in Wien versorgt würden, dass also Geld an die Töchter "weitergeroutet" werde. Stepic ist Initiator einer Lobbying-Gruppe aus neun westeuropäischen Banken, die einen Hilferuf für ein Unterstützungspaket für Osteuropa abgesetzt und zusammen auch einen Brief an die EU-Verantwortlichen geschrieben haben. (APA)

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