Michael Häupl kämpft um Gemeindebauten

29. Jänner 2009, 11:44
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Drei Viertel der Befragten wünschen sich die Hausbesorger - Soziale Konflikte sind dort am stärksten, wo die Gemeindebauten in schlechtem Zustand sind

Wien - Der Wiener Gemeindebau als Kampffeld zwischen FPÖ und SPÖ? "Unsinn", sagt Bürgermeister Michael Häupl (SP). Dienstagabend präsentierte er mit Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) die Ergebnisse der großangelegten Mieterbefragung im städtischen Wohnbau. Dass sich in Gegenden mit höherer Unzufriedenheit in Zukunft etwas ändern wird, ist also anzunehmen - zu ihren Gunsten, hofft die SPÖ. Denn bei den Nationalratswahlen haben die Blauen auch im Gemeindebau zugelegt.

Anonyme Fragebögen

Alle 220.000 Haushalte wurden angeschrieben, 45.000 ausgefüllte Multiple-Choice-Fragebögen kamen zurück - mehr, als Ludwig sich erhofft hatte. Freude dürfte er auch mit dem Ergebnis gehabt haben: 85 Prozent der Mieter fühlen sich demnach "gut" oder "sehr gut" in ihren Wohnungen. Die Fragebögen konnten anonym beantwortet werden und die Bewohner hielten nicht mit Kritik zurück - es störte offenbar nicht, dass auf jedem Bogen ein Strichcode aufgedruckt worden war, mit dem man sehr wohl den Absender ermitteln könnte.

+ Hausordnung Jeder zweite bemängelte, dass andere Mieter sich nicht an die Hausordnung hielten. Weswegen Michael Ludwig Delogierungen von jenen Mietern ankündigte, die sich wiederholt nicht an die Regeln halten - egal ob Österreicher oder Zugewanderter. Dem friedlichen Zusammenleben tat das aber keinen Abbruch.

+ Nachbarn Denn fast zwei Drittel der Sozialbaubewohner beschreiben das Zusammenleben mit ihren Nachbarn als "höflich" oder gar "freundschaftlich". Für Stadtrat Ludwig "kurios", weil die Außenwahrnehmung offenbar eine andere ist: So wollen 40 Prozent der Befragten beobachtet haben, dass andere Mieter mit ihren Nachbarn "gelegentlich" oder "häufig" in Konflikte verwickelt sind.

+ Videoüberwachung Apropos Beobachtung: Vier von fünf Befragten fühlen sich zwar in ihrer Wohnung und ihrem Grätzel sicher. Subjektive Unsicherheitsfaktoren sind die Ängste vor Vandalismus, Diebstahl und Einbruch sowie vor Jugendbanden. Mehr als 60 Prozent würden sich demnach aber sicherer fühlen, gäbe es eine Videoüberwachung in ihrer Wohnhausanlage. Für zehn Prozent der Befragten würde sich die Observation jedoch "gar nicht" auf das subjektive Sicherheitsgefühl auswirken.

Prioritätenliste

Welche Konsequenzen ziehen also Ludwig und Häupl aus der Befragung? "Es gibt eine Prioritätenliste", sagte Häupl. Die habe aber nichts mit der bevorstehenden Gemeinderatswahl zu tun. Man werde dort Maßnahmen setzen, wo die Unzufriedenheit am größten sei. Und die ist da, wo die Gemeindebauten in schlechtem Zustand sind - genau dort gibt es auch die Konflikte zwischen Österreichern mit Migrationshintergrund und "autochthonen Österreichern". "Das ist eine soziale Frage, wir sind uns dessen bewusst", sagte Häupl.

Wunsch nach Hausbesorgern

Um diese soziale Komponente sollen sich künftig vermehrt Mediatoren kümmern. Eine Aufgabe, die auch die "neuen" Hausbesorger ausüben sollten. Drei Viertel der Befragten wünschen sich die Hausbesorger, die in der Zeit der schwarz-blauen Regierung abgeschafft wurden, zurück. Allerdings sollen sie keine Privilegien, wie etwa eine gratis Wohnung haben.

"Wir haben eine politische Betreuungsfunktion", sagte Häupl. Was bedeutet, dass er "der Verleumdung der Gemeindebaumieter durch die FPÖ entgegentreten" will. Das große Problem sieht Häupl nicht darin, dass Menschen im kommunalen Wohnbau die FPÖ wählen, sondern dass sie gar nicht wählen: "Wenn wir unsere Leute dazu bringen, zur Wahl zu gehen, sind wir sowieso unbesiegbar". (Marijana Mijlkovic, DER STANDARD Printausgabe 29.1.2009)

 

 

  • 45.000 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück - zwei Drittel der Befragten wünschen sich die unter Schwarz-Blau abgeschafften Hausbesorger zurück.
    foto: derstandard.at/ped

    45.000 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück - zwei Drittel der Befragten wünschen sich die unter Schwarz-Blau abgeschafften Hausbesorger zurück.

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