Dem Verschwinden einer Drüse auf der Spur

1. Februar 2009, 18:20
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Tintenfische bilden zum Schlüpfen notwendiges Organ, das sich zwei Tage später wieder zurückbildet - Wiener Biologen nehmen das Phänomen genauer unter die Lupe

Wien - Wenn ein Tintenfisch voll entwickelt ist und sich aus seiner Eihülle befreien will braucht er dafür eine bestimmte chemische Substanz. Eine Drüse, die sich nur zu dem Zweck bildet diese Substanz zu produzieren, verschwindet zwei Tage nach dem Schlüpfen wieder, denn danach wird sie nicht mehr gebraucht.

Wissenschafter der Universität Wien nehmen dieses Phänomens nun genauer unter die Lupe und hoffen damit auf Rückschlüsse über die Evolution von Drüsenstrukturen bei Tieren. Auch für die Humanmedizin hat diese Drüse eine Bedeutung, denn der genetische Hintergrund der Zellrückbildung könnte für das bessere Verständnis des programmierten Zelltods beitragen.

"Unser Ziel ist es, die Struktur dieser Drüsen und insbesondere die Zusammensetzung ihres Sekrets genau zu analysieren", erklärt der Leiter der Arbeitsgruppe, Janek von Byern. Es sei unklar, ob dieses Sekret, das Eihüllen mit mehreren Lagen durchbrechen muss, basisch oder sauer ist. Fest steht, dass die innerste der aus 20 bis 30 Lagen bestehenden Eischale chemisch aufgebrochen werden muss, damit das Tier aus dem Ei kommt.

Vergleich mit Fischen

"Unbekannt ist auch, welche genetischen Abläufe für die Bildung und Rückbildung dieser Drüse verantwortlich sind", erklärt der Biologe. Für ihre Studien greifen die Wissenschaftler auf verschiedene Kopffüsser zurück: auf im Mittelmeer lebende Sepia- und Oktopus-Arten sowie dem Loligo aus den Gewässern des Südatlantik. "Neu für uns war, dass bei jeder Tierart diese Drüse unterschiedlich aufgebaut ist", meint von Byern. Auch Parallelen zu Fischen, die zum Teil ähnliche Substanzen bilden, seien genau zu untersuchen.

"Eine Besonderheit ist die Tatsache, dass sich diese Drüse ein bis zwei Tage nach der Geburt der Tiere automatisch zurückbildet." Die Forscher wollen nun wissen, wie das genetische Programm der Selbstreduktion dieses Drüsenapparats vor sich geht. "Uns interessiert, wie der programmierte Zelltod dieser Drüse abläuft und vor allem welche Gene dabei eine Rolle spielen."

Beitrag zur Krebsforschung

Zudem sei es auch bemerkenswert, wie die Tiere dies überleben können. Anhand des einfachen Tiermodells - wie jenem der Tintenfische und durch Vergleiche mit Wirbeltieren - hoffen die Biologen, Einblick in die Evolution von Drüsenstrukturen zu bekommen. "Damit können wir im weiteren Verlauf unserer Forschung komplexere Systeme bei Wirbeltieren oder beim Menschen besser verstehen und einen wichtigen Beitrag für die Krebsforschung liefern", meint der Forscher abschließend. (pte/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Damit junge Kopffüsser ihrer Eihülle entkommen benötigen sie eine bestimmte Substanz für diese vorübergehend eine Drüse ausbilden.

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