Finanzkrise kostet 2,2 Billionen Dollar

29. Jänner 2009, 10:26
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2009 nur 0,5 Prozent weltweites Wachstum - Risiken einer Deflation steigen

Die Weltwirtschaft steckt nach einer neuen Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der schärfsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt seien durch die Finanzkrise weltweit Verluste in Höhe von 2,2 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) zu erwarten, teilte der IWF am Mittwoch in Washington mit. Noch im Oktober hatte der Fonds die Summe auf 1,4 Billionen Dollar geschätzt. Angesichts der Krise sei im laufenden Jahr weltweit nur ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent zu erwarten. Bisher hatte der Fonds noch ein Plus von 2,2 Prozent vorausgesagt.

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Washington/Wien - Osteuropa wird voll vom weltweiten Konjunktureinbruch erfasst. Während andere aufstrebende Märkte - insbesondere in Asien - noch relativ hohe Wachstumsraten verzeichnen, bricht die Konjunktur laut der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds im heurigen Jahr auf ein Minus von 0,4 Prozent ein. Zum Vergleich: 2007 legte die Region noch um 5,4 Prozent, im Vorjahr immerhin noch um 3,2 Prozent zu.

Ähnlich ergeht es Russland, das vom IWF extra ausgewiesen wird und das den Washingtoner Experten zufolge heuer um 0,7 Prozent schrumpfen wird. Osteuropa ist die Region, für die der Fonds seine Erwartungen seit der vorigen Prognose im November 2008 am stärksten zurücknehmen musste. Bei allen Unterschieden der einzelnen Länder machen makroökonomische Ungleichgewichte wie Handelsbilanzdefizite und Abhängigkeit von Kapitalströmen den Staaten zu schaffen. Auch die Exportabhängigkeit von den Industriestaaten, deren Nachfrage stark geschrumpft ist, schlägt negativ zu Buche.

Weltweit hat sich das wirtschaftliche Umfeld deutlich eingetrübt, was der Fonds auf die anhaltende Finanzkrise zurückführt: "Trotz weitreichender politischer Eingriffe bleiben die Spannungen im Finanzsektor akut, sie ziehen die Realwirtschaft nach unten", heißt es im am Dienstag veröffentlichten World Economic Outlook. Mit einem globalen Plus von 0,5 Prozent rechnet der Fonds mit dem geringsten Wachstum seit dem Zweiten Weltkrieg.

Das tat der IWF übrigens schon bei der Novemberprognose, als er noch ein Plus von 2,2 der Weltwirtschaft vorausgesagt hatte. Unter einer Steigerung der Wirtschaftleistung von drei Prozent spricht der Fonds von einer Rezession. Genau diesen Wert nehmen die Ökonomen in Washington für das kommende Jahr an, wobei die Trendwende gegen Ende 2009 angenommen wird. Auch für 2010 musste somit die Prognose gegenüber November deutlich - wenngleich nicht so stark wie für 2009 - zurückgenommen werden.

Am schlimmsten erwischt es nach dieser Projektion die einstigen asiatischen Tiger, Japan und die Eurozone. Letztere soll heuer um zwei Prozent schrumpfen, wobei vor allem Deutschland die Währungsunion nach unten zieht (2009: minus 2,5 Prozent). Mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 2,8 Prozent dürfte Großbritannien innerhalb der EU die rote Laterne tragen. Trotz der Korrektur der Prognosen bleiben China (plus 6,7 Prozent) und Indien (5,1) die Lokomotiven der Weltwirtschaft.

Zur Linderung der Krise empfiehlt der Fonds weitere umfangreiche Stützungsmaßnahmen. Dazu sollten rasche staatliche Konjunkturprogramme ebenso zählen wie Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors, dessen Erholung die Voraussetzung für eine Rückkehr zum Wachstum sei. Ohne "kräftiges Gegensteuern" werde sich "die schädliche Wechselwirkung zwischen Finanzmärkten und Realwirtschaft weiter intensivieren", warnt der IWF.

Laut Fonds werden die Zinsen ebenso wie die Rohstoffpreise weltweit niedrig bleiben. Die Inflationsrate in den Industrieländern wird mit einem Viertelprozentpunkt ein Rekordtief erreichen. (as, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.1.1.2009

 

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