Facebook für Novizen

29. Jänner 2009, 09:34
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Obwohl Facebook in Österreich boomt, gibt es immer noch viele Leute, die mit dem sozialen Netzwerk och nie in Berührung gekommen sind

Etwas leichtsinnig habe ich vergangene Woche von Barack Obama als "Facebook-President" gesprochen, aufgrund seiner Affinität zu Online-Medien von Mail bis Facebook. Was Facebook ist, habe ich dabei nicht näher erläutert, in der irrigen Annahme, dass soziale Online-Netzwerke inzwischen nicht mehr erklärt werden müssen. Fragen von Lesern belehrten mich eines Besseren.

Boom in Österreich

Dabei boomt Facebook derzeit in Österreich: Täglich landen in meiner Mailbox Einladungen von Bekannten und Kollegen, "Friends" auf Facebook zu sein. Hier für diejenigen, an denen der Boom bisher vorbeiging, die nachgelieferte Erklärung. Wie bei allen sozialen Netzwerken (wie MySpace, Xing oder StudiVZ) braucht man eine "Mitgliedschaft", um dabei zu sein (gratis).

Grundangaben zur Person

Dabei registriert man sich mit richtigem Namen und Grundangaben zur Person. Mit dieser Visitenkarte plus Foto sammelt man Online-Kontakt zu anderen, was auf Facebook immer "Friends" heißt, aber alle sozialen Kategorien umfasst. Daraus entsteht ein persönliches Netzwerk, und mithilfe von Updates auf Facebook kann man live verfolgen, was dieser Freundeskreis so treibt - "schnalle gerade die Ski an und fahr auf die Valuga" oder "bin gerade von den Zwillingen genervt, die wieder einmal das Küchenkastl ausräumen" bis zu "versuche ein kniffliges Problem im Büro zu lösen". Freunde können zu solchen Updates Kommentare abgeben, und Freunde von Freunden sehen wiederum die so entstehende Konversation.

Das soziale Grundrauschen

Warum teilt man solches von sich mit oder interessiert sich für die Mitteilungen der anderen? Ganz einfach, weil uns dieses soziale Grundrauschen verbindet, während wir eigentlich voneinander getrennt sind. Es entsteht so eine Narration des Alltags, und es ist erstaunlich, wie man damit Kontakt zu gerade entfernten, aber nahestehenden Personen hält. Zum Small Talk kommen andere Funktionen: Man kann Gespräche und Informationen rund um Themen oder Projekte mit nur einem Teil des Freundeskreises organisieren. Oder man kann an Aktionen teilnehmen, indem man sich z. B. als Fan von US-Airways-Kapitän Sullenberger deklariert, der mit seiner gekonnten Notwasserung eine Katastrophe verhinderte.

"Facebook-President"

Barack Obama hat mittels Facebook Millionen informiert und zum Mittun motiviert - darum meine Bezeichnung als "Facebook-President". Information wird so sozial organisiert: So wie in physischen Netzwerken empfehlen sich Freunde online interessante Webseiten oder Artikel aus Zeitungen oder Büchern, die sie gerade gelesen haben. Auf vielen Webseiten finden sich Möglichkeiten, Geschichten auf Facebook oder anderen Netzen zu posten, statt sie per Mail zu verschicken. Viele finden Gefallen daran, ihre persönliche Kommunikation rund um Facebook zu organisieren: Denn natürlich kann man nicht nur im "öffentlichen Raum" posten, sondern auch privat Nachrichten an Freunde verschicken (statt Mail) oder mit ihnen chatten, falls sie gerade online sind. Der Vorteil: Keine Spams, keine Trojaner und andere Schädlinge, keine anonymen Absender. Nächste Woche: Facebook für Fortgeschrittene.(Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe vom 29.1.2009)

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    US-Präsident Barack Obama trifft seine Freunde und Bekannten nicht nur in der Realität, sondern auch bei Facebook.

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