Gespannte Ruhe nach blutigen Unruhen

29. Jänner 2009, 08:36
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Erste Schadensbilanz spricht von mehr als 100 Toten n

Antananarivo- Auf der Tropeninsel Madagaskar ist die Opferbilanz nach tagelangen Protesten, Krawallen und Plünderungen nach Medienberichten auf mehr als 100 Tote gestiegen. Allein die aus einem ausgebrannten Einkaufszentrum in der Hauptstadt Antananarivo geborgenen Leichen gab die Feuerwehr am Donnerstag mit 47 an. Rund 100 weitere wurden verletzt.

Offizielle Angaben zur Zahl der Opfer gab es nicht. Erstmals wurden auch Touristen in Mitleidenschaft gezogen, die am Vortag in einem Hotel der Hafenstadt Tamatave an der Ostküste ausgeraubt wurden. In dem Ort hatte es nach Informationen des oppositionsnahen Rundfunksenders "Viva" 7 Tote und 37 Verletzte gegeben. Der katholische Radiosender Don Bosco sprach von fünf Toten.

In der Hauptstadt Antananarivo herrschte am Donnerstag gespannte Ruhe. Die Ausgangssperre war am Vortag um zwei Stunden von 20.00 Uhr bis 05.00 Uhr morgens verlängert worden. Militär und Polizei zeigten öffentlich Präsenz. Im Stadtteil Tanjombato vertrieben Soldaten mit Warnschüssen jugendliche Plünderer, die in eine Firma eindringen wollten. Nach einer ersten Schadensbilanz des Fernsehens wurden landesweit um die 100 Gebäude zerstört, tausende Menschen hätten dadurch ihre Jobs verloren. Die Gendarmerie des Inselstaats im Indischen Ozean meldete landesweit 92 Festnahmen.

Die Krawalle waren nach regierungskritischen Protesten zum Auftakt eines unbefristeten Generalstreiks am Montag außer Kontrolle geraten. Die Plünderungen hatten sich zunächst gegen Einrichtungen aus dem Firmenimperium von Präsident Marc Ravalomanana (59) gerichtet, dem der Bürgermeister der Hauptstadt, Andry Rajoelina, Verschwendung und anti-demokratisches Verhalten vorwirft.

Die Plünderungen hatten von der Hauptstadt aus rasch auf andere große Städte übergegriffen. Rajoelina hatte am Vortag Anweisung für die Schließung von Läden, Schulen und Verwaltungen bis zum Wochenende gegeben. Am Samstag ist erneut eine Massenkundgebung geplant. Ravalomanana zeigte sich am Donnerstag in einem Rundfunk-Interview zu Gesprächen mit seinem politischen Gegner bereit. (APA/dpa)

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