Ein anderes Davos

28. Jänner 2009, 19:12
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Spitzenmanager geben zu, zu wissen, was auf sie zukommt

Im Vorjahr war der US-Investmentbanker George Soros die Kassandra von Davos: Mit seiner Warnung vor der schlimmsten Finanzkrise seit Ende des Zweiten Weltkriegs war er auf dem Treffen der führenden Wirtschaftsbosse und Politiker ziemlich allein. Heuer spricht jeder von einer dramatischen Lage und davon, dass es frühestens nächstes Jahr wieder aufwärts gehen wird. Aber selbst das wird infrage gestellt.

Das ist neu: dass Spitzenmanager zugeben, nicht zu wissen, was auf sie zukommt; dass Wissenschafter sagen, sie könnten keine Voraussage über die Intensität der Krise geben; dass Politiker sagen, sie wüssten nicht, ob ihre Konjunkturankurbelungsprogramme überhaupt wirkten. Und dass bei dem weltweit wichtigsten Treffen des Freihandels Rufe nach Staatsinterventionen, Regelungen und ethischem Handeln in der Wirtschaft laut werden, zeigt den Umdenkprozess auf allen Ebenen.

Es werden heuer viel mehr Fragen gestellt als Antworten gegeben. Die zentrale Frage aber ist, welche Maßnahmen die neue US-Regierung über das bereits bekannte Konjunkturankurbelungsprogramm setzen wird. Darauf wird durchaus bange gewartet. Da führende US-Repräsentanten es vorgezogen haben, in Washington zu bleiben und mit dem neuen Präsidenten Barack Obama zu arbeiten, statt in Davos zu diskutieren, werden Mutmaßungen angestellt. Die Lücke nutzen China und Russland, die höchstrangig vertreten sind. Auch das zeigt, wie sich die Weltwirtschaft verändert hat. (Alexandra Föderl-Schmid, Davos, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.1.1.2009)

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