"Obama unternimmt große Schritte beim Umweltschutz"

28. Jänner 2009, 19:00
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Die Finanzkrise führt nicht zu einem Rückgang der Investitionen im Umweltbereich. Warum das so ist, sagte der Chef des Weltressourceninstituts

STANDARD: Was sind Ihre Erwartungen an den neuen US-Präsidenten Barack Obama?

Lash: Sie sind sehr hoch. Der Präsident beeindruckt uns weiter, weil er umsetzt, was er während der Wahlkampagne angekündigt hat. Er fühlt sich zu einer Gesetzgebung verpflichtet, um die Emissionen in den USA zu reduzieren. Gerade kündigte er an, die Abgase für Autos zu limitieren und Kalifornien zu erlauben, sogar noch weiter zu gehen als der Rest des Landes. Das sind ganz große Schritte, die Obama beim Umweltschutz unternimmt. Er hat auch Wissenschafter an seine Seite und in die Regierung geholt. Das ist sehr ermutigend. Jetzt muss er noch weiter gehen.

STANDARD: Was wird der nächste Schritt sein?

Lash: Das Konjunkturankurbelungsprogramm sieht über 100 Milliarden Dollar für grüne Technologien vor. Die Vorbereitungen für eine neue Energie-Gesetzgebung, die stark auf erneuerbare Energien abzielt, ist schon sehr, sehr weit. In den nächsten drei Jahren wird man eine Regelung zur Reduzierung von CO2-Emissionen haben.

STANDARD: Ist die EU im Bereich Umweltschutz und Ressourcenmanagement beispielgebend für Obama?

Lash: Die EU hat ihre eigenen Agenden. Natürlich sind die EU-Staaten weit vor den USA. Ich hoffe, die USA werden von der EU lernen. Aber ich würde nicht alles als beispielgebend ansehen.

STANDARD: Was nicht?

Lash: Die EU hat im Emissionshandel zu viele freie Zertifikate vergeben. Sie haben auch sehr langsam mit dem Handelssystem begonnen.

STANDARD: Rechnen Sie damit, dass angesichts der Finanzkrise die Ausgaben für Umweltschutz zurückgehen werden?

Lash: Nein. Es gibt massive Investitionen, die noch vor einem Jahr undenkbar gewesen wären. Zum Beispiel in China. Auch in den USA wächst ein Bewusstsein, dass das Energieproblem, das Klimaproblem in einer Linie zu sehen sind mit der Finanzkrise. Man kann das eine nicht ohne das andere lösen.

STANDARD: Vor einigen Monaten war der Rohölpreis bei über 150 Dollar pro Fass, in Europa gab es gerade eine Knappheit von Erdgas durch die Unterbrechung der Lieferungen aus Russland. Trägt all das dazu bei, dass der Umgang mit Ressourcen bewusster wird?

Lash: Ich will meine Hoffnung nicht auf das Schlechte richten. Das Faktum, dass wir die Richtung geändert haben und dass die Menschen eingesehen haben, dass Ressourcen nicht endlos zur Verfügung stehen, das gibt uns die Chance zum Umdenken, vor allem was globale Erwärmung betrifft und den Umgang mit Ressourcen. (Alexandra Föderl-Schmid, Davos, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.1.1.2009)

Zur Person

Jonathan Lash ist Chef des World Ressources Instituts. Dem Washingtoner Think Tank gehören mehr als hundert Wissenschafter an, die die Regierung beraten.

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    Lash: "Auch in den USA wächst ein Bewusstsein, dass das Energieproblem, das Klimaproblem in einer Linie zu sehen sind mit der Finanzkrise."

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