Verheizte Donawitzer

28. Jänner 2009, 19:36
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Die Hilfeschreie aus Leoben sind das Ergebnis einer lebensbedrohlichen Abhängigkeit. Der DSV hat seinen Mäzen verloren - von Simon Hirt

Der Patient DSV Leoben liegt im Koma. Die Spieler des steirischen Fußballvereins sind ablösefrei zu haben. Der Profi-Betrieb in der Montan-Stadt steuert in eine ungesicherte Zukunft. Ohne größere Finanz-Infusion wird der Erstligist nicht überleben.

Linz dreht zu

Die Finanzkrise hat den steirischen Klub schwer getroffen. Ex-Präsident und -Mäzen Hans Linz musste mit seinem Finanzberatungsunternehmen HFL im Dezember 2008 das Konkursverfahren eröffnen, sein Unternehmen sackte im Einklang mit der AvW-Gruppe zusammen. Damit war auch der Geld-Hahn des DSV zugedreht.

Per E-Mail wendet sich der Mäzen an Ligakrösus Red Bull, um Dietrich Mateshitz seinen Verein schmackhaft zu machen - Keine Antwort aus Wals-Siezenheim. Einen Monat später tritt Linz samt Vereins-Vorstand ab. Dem geschiedenen Präsidium blieb die Entlastung durch die Vereinsmitglieder verwehrt - Der Grund: Aushaftende Beträge in der Höhe von 300.000 Euro.

Interimspräsident Eduard Lieber beginnt einen Wettlauf gegen die Zeit. Das Ziel, den Verein auf stabile und eigenständige Beine zu stellen, gelingt nicht. Gespräche mit der Volksbank als neuem Hauptsponsor verlaufen sich. Mitte Jänner diesen Jahres wird klar: Der Fußballverein ist nicht länger überlebensfähig.

Domino-Effekt

Die Beziehung, auf die sich der DSV Leoben mit Hans Linz eingelassen hatte, ist lange Zeit gut gegangen. Der Mäzen, der seit 1995 den Verein sponserte, hat laut eigenen Angaben zehn Millionen Euro in seine Stahl-Prinzessin investiert. Das Geld, das er in die Donawitzer-Öfen steckte, ist mittlerweile zur Gänze verheizt. Die Abhängigkeit von Geldgeber Linz, macht sich nach dessen Ausstieg spürbar. Ohne neue Sponsoren können die Spielerverträge nicht mehr aufrecht gehalten werden, gestand Interimspräsident Lieber. Eine neuerliche Bundesliga-Lizenz ist derzeit unvorstellbar.

Wenn sich die Leobener das nächste Mal auf eine Beziehung einlassen, sollte trotz blinder Liebe ein Funken Selbstständigkeit erhalten bleiben.
Ein kleiner Trost - die Steirer sind nicht der einzige Fußballverein, den eine Scheidung vor den Ruin getrieben hat. Vielleicht verbinden den DSV Leoben und den FC Chelsea demnächst die gleichen Ambitionen. (Simon Hirt, derstandard.at 28.01.2009)

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