Autorin wegen Aussage über Juden von TV-Sender gefeuert

28. Jänner 2009, 18:29
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"Nova-TV" verzichtet künftig auf Vedrana Rudan als Gastkommentatorin

In Kroatien hat die renommierte Autorin Vedrana Rudan mit umstrittenen Aussage über den Nahost-Konflikt und das jüdische Volk für einen Skandal gesorgt. Am Mittwoch entschuldigte sich der private Fernsehsender "Nova TV" dafür und kündigte an, Rudan künftig nicht mehr als Gastkommentatorin zu beschäftigen. Sie hatte in Bezug auf die israelische Militäroffensive im Gazastreifen die Frage gestellt, "wann die Juden endlich aufhören, Juden zu sein und zu menschlichen Wesen werden."

Rudan hatte in diesem Zusammenhang auch Vergleiche mit dem Holocaust gezogen und sich laut Nachrichtenagentur Hina und anderen Medien offenbar auch beleidigend über das Nazi-Opfer Anne Frank geäußert. Die jüdische Gemeinschaft in Kroatien hatte die Aussagen scharf kritisiert. Der Vorsitzende des Nationalen Rats der Minderheiten in Kroatien, Aleksandar Tolnauer, brandmarkte die Äußerungen als "Hassrede" und "Beleidigung".

"Private Meinung"

Der Sender stellte am Mittwoch klar, dass es sich um eine private Meinung gehandelt habe, die in keiner Weise die Position von "Nova TV" repräsentiere. Rudan habe ein "unangebrachtes Vokabular" verwendet, das "mit journalistischen und ethnischen Standards nicht vereinbar" sei. Das Medienunternehmen stellte außerdem klar, dass "religiöse, nationale oder andere Formen von Intoleranz" zu verurteilen seien und in seinem Programm kein Platz für "Hassreden" sei.

Die Autorin selbst reagierte mit einem kurzen Pressestatement: "Ich habe ein fürchterliches Verbrechen begangen. Ich habe die Namen der palästinensischen Kinder genannt, die in Gaza getötet wurde. Deshalb wurde ich gefeuert."

Rudan gilt in der kroatische Medien- und Literaturszene als kämpferische Feministin. Anlässlich des Kroatien-Schwerpunkts bei der Leipzier Buchmesse im Vorjahr hatte es in einem Porträt über sie geheißen: "In drastischer Sprache ohne jeden Anflug von Skrupel demaskiert die 1949 Geborene die Heuchelei in den Geschlechter-Beziehungen ebenso wie in der Politik. Viele Kritiker kommen allerdings mit diesem Stil nicht zurecht und heften ihr das Etikett 'schlicht' und 'vulgär' an. Mit Tantiemen von einer Viertel Million Euro - so ihre Selbstauskunft - gilt sie als Großverdienerin im Literaturbetrieb." (APA)

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