Kommunikation mit dem Universitätsrat

28. Jänner 2009, 18:16
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Erfahrungsbericht einer "Versagerin" - Von Ingela Bruner

Wie reagiert eine Rektorin, wenn ihr Stv. Uniratsvorsitzender sie als Versagerin darstellt? (Brief von Norbert Rozsenich, Standard, 24. 1.) Eingeschüchtert? Nein! Es ist mir seit März nicht gelungen, eine einzige Besprechung über meine Funktion als Rektorin betreffende Angelegenheiten mit dem gesamten Universitätsrat (UR) allein zu führen, der Wunsch nach einer strategischen Diskussion wurde nie erfüllt. Die Sitzungen des UR wurden ständig als Plattform für Kritik an die Adresse des Rektorats vom Senat benutzt. Die Senatssitzungen, zu denen das Rektorat eingeladen wurde, verliefen ähnlich, die Fragen fielen fast ausschließlich in Bereiche, für die der Senat vom Gesetz her keine Kompetenzen hat, aber Mitsprache reklamierte. Bei den Belangen der Lehre (Zuständigkeit des Senats) funktionierte die Schnittstelle ausgezeichnet.

Woher bezieht Rozsenich seinen tiefen Einblick? Er spricht von einer "Manie, nicht delegieren zu wollen". Wie sind die Entscheidungen gefallen? In wöchentlichen Rektoratssitzungen, jedes Mitglied des Teams (Vizerektor (VR) für Finanzen und Ressourcen, VR für Personal und Recht, VR für Forschung und ich) hatte seine Kompetenzen und war antragsberechtigt. Außer den letzten beiden waren alle Beschlüsse einstimmig. Unterschriften erfolgten nach dem Vier-Augen-Prinzip. Meine Zuständigkeiten nach UG 2002 waren ergänzt um: Rektoratsbüro, Vertretung nach außen, Öffentlichkeitsarbeit, Zentrum für Lehre/Studienabteilung/Kinder-Boku/Weiterbildung, Zentrum für Internationale Beziehungen, Strategisches Controlling und Beteiligungen, Anliegen der Studierenden und Absolventen. Alle diese Bereiche werden von erfolgreichen Frauen geleitet! Die beiden für das neue Forschungszentrum in Tulln und das Raumordnungskonzept "Türkenschanze" verantwortlichen Projektleiterinnen berichteten mir. Das Bauprojekt Muthgasse liegt in der Verantwortung des VR für Finanzen.

Die Gespräche mit Rozsenich und Biffl beschränkten sich fast nur auf die Vorbereitung von Sitzungen (Tagesordnungen und Vorlagen). Im Mai des Vorjahres bat ich Rozsenich um Rat hinsichtlich der Finanzen der Boku, wir schrieben das Operative Controlling aus, die neue Leiterin war seine Empfehlung. Interventionen zu Gunsten der Verlängerung eines Professors, zur Wiederaufnahme der Verhandlungen für eine Professur, zu einer Beauftragung betreffend Facility Services - war das deren "stundenlanges Bemühen um Einlenken"?

Zu guter Letzt verblieb mein Schreiben vom 12. Jänner mit der Bitte um ein vertrauliches Gespräch unbeantwortet. Nun blicke ich positiv in die Zukunft, freue mich über die Solidarität, äußere mich zur Novellierung des UG. Ich hoffe, dass die Boku sich zu einer der interessantesten Universitäten Europas entwickelt und begonnene Projekte fortsetzt, wie die Gründung einer Forschungs-Infrastruktur GesmbH mit der Stadt Wien oder die Sanierung des TÜWI als Haus der Studierenden.

Gewogen bleibe ich der Boku, erhalten bleibe ich der Bildungs- und Wissenschaftspolitik. Ich wünsche meinen drei Vizes viel Kraft und Erfolg! (Ingela Bruner/DER STANDARD Printausgabe, 29. Jänner 2009)

Ingela Bruner ist die ehemalige Rektorin der Universität für Bodenkultur

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