Konzern in schweren Turbulenzen

28. Jänner 2009, 17:44
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Bei der schwer defizitären AUA stehen die Zeichen auf Sturm.

Der Abgang von AUA-Chef Alfred Ötsch am 9. Februar ist fix. Er wird laut seinen Kritikern eine paralysierte Airline hinterlassen, die im Jänner massiv Passagiere verloren hat. Ob der Notkredit reicht, wird bezweifelt.

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Wien - Bei der schwer defizitären AUA stehen die Zeichen auf Sturm. Auf Drängen von AUA-Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis laufen Vertragsauflösungsverhandlungen mit AUA-Chef Alfred Ötsch. Ihm wird nicht mehr zugetraut, in der AUAnoch irgend etwas bewegen zu können. Die beiden anderen Vorstände, Peter Malanik und Andreas Bierwirth, werden die Airline bis zum Einstieg der Lufthansa interimistisch weiterführen.

Doch bis die Deutschen bei der AUA dasSagen haben, dürfte es August werden und bis dahin, so die Befürchtung von Insidern, reicht der staatliche Notkredit von 200 Mio. Euro nicht aus. Knapp 70 Mio. Euro wurden seit Ende 2008 bereits "verbraten" , die Entwicklung im Jänner war bereits dramatisch schlecht, die kommenden Monate werden das Minus noch vergrößern. In der Verstaatlichtenholding ÖIAG (hält 42 Prozent) und AUA dementiert man freilich, dass zusätzliches Geld nötig werden könnte. Es gebe keinen Grund für die Annahme, ganz im Gegenteil, man habe sogar "einen Polster" bei der Berechnung eingeplant.

Insider gehen davon aus, dass die AUAallein im Jänner einen Passagiereinbruch im zweistelligen Bereich (die Rede ist von rund 20 Prozent) verbucht hat, während andereAirlines auf minus fünf bis minus zehn Prozent kommen. Im November und Dezember waren es bei der AUAbereits minus sieben Prozent. Eine AUA-Sprecherin sagte, offizielle Zahlen für Jänner gibt es noch nicht, "aber das Bild setzt sich fort".

"Die Dynamik des Abschwungs sei so pervers, wie ein Steilhang, der immer steiler wird, man müsste schnell reagieren" , sagen Insider. Ein Teufelskreis sei es. Die AUAaber sei paralysiert, dort bewege sich nichts. Man wisse kein Gegenmittel, die Passagiere blieben aus, fliegen laut Insidern auch nicht zu Dumpingpreisen, der Umsatz breche weg, die Kosten blieben aber hoch.

Die geplanten Teilzeit- oder Kurzarbeitmodelle werden wohl nicht ausreichen, es werde zu einschneiden Maßnahmen kommen müssen: 1000 bis 2000 der insgesamt 8000 Beschäftigten seien zu viel an Bord, wird gemunkelt. Eingeweihte machen sich bereits über einen Sozialplan Gedanken.

Der noch amtierende Vorstand lud die Mitarbeiter für kommenden Freitag zu einer Informationsveranstaltung um "über die Lage der Nation" zu berichten.

Staatliche Mitgift

Gut möglich, dass die EU den Einstieg der Lufthansa und die 500 Mio. Euro staatliche Mitgift nur dann genehmigt, wenn die AUA davor saniert wird. Wer das machen soll, ist offen. Solange die EU ihren Sanktus nicht gibt sind der Lufthansa die Hände gebunden, sie darf bei der AUAnichts machen. Sie kann nicht einmal eines der dringendsten Probleme der AUA lösen: den Vertrieb.

In der Zwischenzeit expandiert die Lufthansa in Italien. Am 2. Februar startet sie mit ihrer neuen Tochter Lufthansa Italia. Zunächst mit zwei Fliegern, sechs sollen es werden. Der erste Flug geht von Mailand nach Barcelona.

Weniger günstig lief es für sie in Deutschland. Wegen erneuter Warnstreiks wurden am Mittwoch 80 Flüge gestrichen. Die Gewerkschaft verlangt 15 Prozent mehr Lohn für die Kabinenmitarbeiter. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.1.1.2009)

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    Bis die Lufthansa das Okay von Brüssel bekommt und bei der AUAdas Kommando übernehmen kann, könnte es August werden.

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