Aggressives Marketing

28. Jänner 2009, 17:34
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Zur Eröffnung der Brussels Antiques & Fine Arts Fair

Brüssel - Die Furcht vor einer drohenden Rezession treibt seltsame Blüten: In Sachen Imagepflege, wenn der Kunsthandel während diverser Messeveranstaltungen von unzähligen Verkäufen referiert, dieses allzu optimistische Gehabe allerdings Wochen später durch Fakten widerlegt werden kann.

Eine deutlich transparentere, wenn auch ungewohnt und irgendwie aggressiv daherkommende Form des Marketings erlebt man derzeit in Brüssel. Schauplatz ist die nunmehr zur Messemeile umfunktionierte Poststation Tour & Taxis, wo noch bis zum 1. Februar die größte Kunst- und Antiquitätenmesse Belgiens gastiert. Gleich auf den ersten Quadratmetern der insgesamt 12.000m² großen Halle erhalten Handybenutzer mit aktivierter Bluetooth-Funktion ungefragten Sonderrabatt: zehn Prozent auf Beute unter 25.000 Euro, fünf Prozent für alles darüber, gültig allerdings nur für einen der 130 Aussteller.

Österreich ist unter den Teilnehmern nicht vertreten, dafür über Fritz Koreny, den für Arbeiten auf Papier verantwortlichen Juror. Die vorwiegend regionalen und aus Frankreich angereisten Kunsthändler und Galerien hoffen auf bis zu 40.000 Besucher. Immerhin gibt es einen Anknüpfungspunkt zu Osteuropa, nämlich das Gesicht und Markenzeichen der Messe: Das Porträt eines Mannes mit blauem Turban stammt aus der Sammlung des rumänischen Muzeul National de Arte in Bukarest. Die noch im begleitenden Messekatalog angeführte Zuschreibung „Jan van Eyck" soll allerdings mittlerweile widerlegt sein.

Vielfalt

Womit Brüssel und die insgesamt 54. Auflage dieser Messe aber definitiv punkten kann, ist die unglaubliche Vielfalt. Kaum eine Kunstgattung, kaum eine Epoche der Kunstgeschichte ist nicht vertreten. Derlei findet man sonst - wenn auch teils in einer höheren Qualitäts- und damit Preisklasse - bei der TEFAF in Maastricht.

Zum aktuellen Brüsseler Superlativ gehört ein mit 1,1 Millionen Euro zu den teuersten Objekten zählender Altaraufsatz Ulmer Provenienz aus dem 15. Jahrhundert. Anbieter Jan Muller durfte sich vorerst nur über jede Menge Publicity in amerikanischen und russischen Medien freuen. Derzeit laufen noch Verhandlungen mit einem französischen Schlossbesitzer und einem internationalen Museum. Den erfreulichsten Spontanverkauf verzeichnete ein Debütant: Noch vor der Vernissage reichte der Niederländer Mischo von Kollenburg während der Preview zehn Möbel an einen mexikanischen Sammler weiter.

Unter allen auf der Messe vertretenen Tierdarstellungen - tatsächlich gab es nur einen Teilnehmer ohne ein Exponat aus der Welt der Fauna - kämpfen noch zwei um den Titel der anmutigsten: Ein ausgestopfter Löwe mit der für Zirkustiere typischen prachtvollen Mähne (20.000 Euro, Philippe Heim, Paris) und die Bronzestatuette einer Hausziege griechisch-römischer Provenienz (125.000 Euro, Phoenix Ancient Art, New York). (kron/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.1.2009)

 

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