"Die Branche wird sich erholen"

28. Jänner 2009, 17:25
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Toyota setzt auf neue Märkte und die notwendige Erneuerung von Fahrzeugflotten

Toyota setzt auf neue Märkte und die notwendige Erneuerung von Fahrzeugflotten als Ausweg aus der Krise. Dazu würden der japanischen Autoindustrie Produktionskürzungen und Fusionen helfen, sagt Toyota-Aufsichtsratschef Fujio Cho in Tokio zu Christoph Prantner. Der amerikanischen Konkurrenz indes wünscht er das Überleben.

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STANDARD: Toyota hat GM mit dem vergangenen Jahr als weltgrößten Autoproduzenten abgelöst, wie schätzen Sie die Zukunft ihrer Branche ein?

Cho: Wir haben weltweit einen enorm großen Einbruch. Was sich in den kommenden Jahren tun wird, ist schwer abzuschätzen. Aber die Branche wird sich erholen. Weltweit gibt es noch Märkte, in denen nicht alle, die sich ein Auto leisten können, auch eines haben. Dazu kommt der Austausch des Bestandes. Nehmen Sie die USA her, dort sind 250 Millionen Autos im Einsatz. In zehn Jahren müssen die ersetzt werden. Das ergibt eine Marktgröße von 25 Millionen Fahrzeugen pro Jahr, momentan werden aber nur zehn Millionen verkauft.

STANDARD: Die amerikanische Autoindustrie wird mit Milliarden unterstützt. Kann sie überleben und ist diese Intervention der US-Regierung nicht eine Wettbewerbsverzerrung?

Cho: Man spricht von einem Konjunktureinbruch, der sich einmal in 100 Jahren ereignet. Wenn Regierungen eingreifen, um Industrien zu unterstützen, ist das sicher notwendig gegen eine Ausweitung und Beschleunigung der Krise. Die Automobilbranche steht an der Spitze einer Industriepyramide, an ihr hängen Millionen Jobs. Notmaßnahmen von Regierungen erscheinen da gerechtfertigt.

STANDARD: Werden die Milliarden ausreichen, um Chrysler, GM und Ford das Überleben zu sichern?

Cho: Ich kenne keine Details aus diesen Konzernen, weder Absatzzahlen noch Gewinnmargen. Ich wünsche mir aber jedenfalls, dass die drei überleben, weil wir auch in der Zukunft einen gesunden Wettbewerb brauchen.

STANDARD: Wie konkurrenzfähig ist die japanische Autoindustrie noch?

Cho: Wir werden es in irgendeiner Form aus dieser Krise schaffen, vielleicht wird es Zusammenschlüsse und Fusionen geben.

STANDARD: Wie viele Autos wird Toyota heuer bauen?

Cho: Die Produktionszahlen wurden deutlich nach unten korrigiert, wir werden in diesem Jahr weniger Autos bauen, weil wir unsere Lager konsolidieren müssen.

STANDARD: Was hilft der Nachfrage im Automarkt gegenwärtig mehr: Massenpsychologische Interventionen oder neue Technologien? Und was darf man sich bei Letzterem von Toyota erwarten?

Cho: Man muss das differenziert sehen. Was für Autos werden in Zukunft nachgefragt werden? In manchen Märkten werden es umweltverträglichere Wagen sein, in anderen eher kleinere Autos. Toyota wird beides bedienen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.1.1.2009)

Zur Person

Fujio Cho (71) ist Aufsichtsratsvorsitzender der Toyota Motor Corporation. Der Jurist gilt als ein Verfechter umweltfreundlicher Automobil-Technologien und ist ein großer Liebhaber klassischer Musik. Toyota unterstützt die Wiener Staatsoper mit einer Million Euro pro Jahr. Cho reist so oft er kann nach Wien, um Vorstellungen zu besuchen. Nicht selten ist nach dem ersten Akt allerdings Schluss mit dem Vergnügen, weil ihn Staatsoperndirektor Ioan Holender zum Heurigen entführt.

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    Cho gilt als ein Verfechter umweltfreundlicher Automobil-Technologien.

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