Deutscher Künstler verklagt Flamen-Partei

28. Jänner 2009, 17:18
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Kunstwerk wurde ohne Genehmigung für Werbebroschüre verwendet

Brüssel - Der deutsche Internet-Künstler Till Nowak fordert Schadenersatz von der offen ausländerfeindlichen Flamen-Partei Vlaams Belang in Belgien. Ohne seine Erlaubnis habe die Partei eines seiner Werke für eine Werbebroschüre mit Millionenauflage benutzt, sagte Nowak am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Brüssel. Nowaks Montage "Dishes" aus dem Jahr 2007 zeigt ein Hochhaus, dessen obere Etagen mit Satelliten-Schüsseln übersät sind. Der Künstler schuf das Werk als Karikatur auf die Reizüberflutung in der Mediengesellschaft, der Vlaams Belang verwandte es als Sinnbild für ungebremste Zuwanderung.

Umdeutung

"Diese Umdeutung ist erst der Anlass für das ganze Problem", sagte Nowak. Die Auslegung des Vlaams Belang liege ihm fern. "Ich bin ein toleranter und offener Menschen. Das zerstört auch mein Kunstwerk", sagte Nowak dem Hessischen Rundfunk. Er nahm sich einen Anwalt in Belgien, um die Verbreitung der Broschüre mit seiner Montage zu stoppen. Eine Gerichtsentscheidung vom Dienstag sei jedoch zu spät gekommen. Angeblich seien schon mehr als zwei Millionen Exemplare verteilt worden, sagte der Design-Künstler. Deshalb gehe er nun einen Schritt weiter. "Es wird mit Sicherheit eine Schadenersatzforderung geben." Über die Höhe könne er noch nichts sagen.

Den Hinweis auf die flämische Copyright-Verletzung bekam Nowak von einem Belgier. "Der hat das Partei-Druckwerk in die Finger bekommen und gleich vermutet, dass es wohl so nicht gemeint sein kann", erzählte Nowak, der früher in Mainz tätig war und nun in Hamburg eine kleine Multimedia-Firma betreibt. Der Vlaams Belang habe das Foto-Kunstwerk, das ein besonderes Jury-Lob beim Japan Media Arts Festival 2007 erhielt, in der Tat ohne sein Wissen verwendet. (APA/dpa)

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