Island rudert zurück - internationales Ansehen wichtiger

29. Jänner 2009, 12:26
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Fischereiminister hatte massive Erhöhung des Walfangs angekündigt - künftige Regierung erwägt jedoch völliges Verbot

Reykjavik - Islands künftige Regierung will den Walfang stark einschränken oder ganz verbieten. Die als Ministerpräsidentin erwartete Sozialdemokratin Jóhanna Sigurdardóttir sagte am Donnerstag am Rande von Koalitionsverhandlungen in Reykjavik, man werde eine Entscheidung des noch geschäftsführend amtierenden Fischereiministers Einar Gudfinnsson für erhöhte Fangquoten "aller Voraussicht nach rückgängig machen".

Gudfinsson hatte noch nach der Rücktrittserklärung von Ministerpräsident Geir Haarde und dessen großer Koalition jährlich 150 Finnwale und 100 Zwergwale für die kommerzielle Jagd bis 2013 freigegeben. Im vergangenen Jahr waren lediglich 40 Zwergwale zum Abschuss freigegeben worden.

"Verwunderung"

Sigurdardóttir soll eine rot-grüne Übergangsregierung führen, deren Amtsantritt für das Wochenende erwartet wird. Sie erklärte, die massive Erhöhung der Walfangquote "in letzter Minute" durch den abtretenden Fischereiminister von der konservativen Unabhängigkeitspartei habe sie "doch sehr verwundert". Schon in der großen Koalition hatten sich die dort beteiligten sozialdemokratischen Minister ausdrücklich gegen die Zulassung des kommerziellen Walfangs durch den Fachminister ausgesprochen. Dieser hatte aber das alleinige Entscheidungsrecht.

Internationales Ansehen

Die Sozialdemokraten sowie die mit ihnen künftig regierenden Rotgrünen begründen ihren Widerstand gegen den Walfang vor allem mit dem sonst drohenden Verlust an internationalem Ansehen für Island. Auch die heimische Fremdenverkehrsbranche setzt sich mit demselben Argument für eine Beendigung des international heftig kritisierten Walfangs vor der Atlantikinsel ein.

Die kommerzielle Jagd auf die riesigen Meeressäuger ist seit 1986 durch die Internationale Walfangkommission (IWC) verboten. Island erkennt das Verbot nicht an, weil die Bestände mehrerer Arten vor den eigenen Küsten für ausreichend groß gehalten werden. (APA/dpa)

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