Redeverbot für Holocaust-Leugner Williamson

29. Jänner 2009, 16:16
16 Postings

Traditionalisten wollen verhindern, dass der Bischof weiteren Schaden anrichtet - Hausverbot in Regensburg

Econe/Vatikanstadt - Die Leitung der vom verstorbenen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. hat sich von der Leugnung der Shoah durch Bischof Richard Williamson distanziert und sich beim Papst entschuldigt. Mit seinen Äußerungen habe Williamson sein kirchliches Mandat entschieden übertreten und seine Gemeinschaft diskreditiert, heißt es laut Kathpress in einer Stellungnahme des Generalsuperiors, Bischof Bernard Fellay, vom Dienstagabend.

"Wir bitten den Papst und alle Menschen guten Willens um Vergebung für die dramatischen Auswirkungen dieses Vorgangs", heißt es in dem Schreiben Fellays. "Mit Traurigkeit müssen wir feststellen, dass die Äußerungen Williamsons direkt unsere Bruderschaft getroffen und ihre Mission diskreditiert haben". Die Behauptungen von Williamson in dem schwedischen TV-Interview spiegelten in keiner Weise die Position der Bruderschaft wider. Fellay erklärte, er habe Williamson bis auf weiteres jede öffentliche Stellungnahme zu politischen oder historischen Fragen untersagt.

"Er wird nichts sagen"

Williamson hat bis Donnerstag jeden Kontakt mit der Presse verweigert. Anfragen von Journalisten werden an der Tür des Priesterseminars in La Reja etwa 50 Kilometer von der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires entfernt abgewiesen. "Ja, er ist hier, aber er wird nichts sagen", zitierte die Zeitung "Clarín" den französischen Priester Jacques Barrou. "Vater Williamson ruht sich aus, denn zurzeit gibt es keinen Unterricht", habe der Priester hinzugefügt. Nach diesen Berichten leitet der traditionalistische Bischof Williamson das konservative Priesterseminar Nuestra Señora Corredentora der Bruderschaft von San Pío X. bereits seit 2003.

Den Grundstein zu dem Priesterseminar in La Reja legte Ende der 1970er Jahre während der argentinischen Militärdiktatur der 1991 verstorbene traditionalistische Erzbischofs Marcel Lefebvre, schrieb die Zeitung "Critica". Die abgeschottete Anlage befindet sich in einem von Wochenendhäusern und großen Grundstücken geprägten, stillen Stadtteil der Gemeinde Moreno. Vom Kindergarten bis zur Priesterweihe reicht die Ausbildung. In der Presse werden Anrainer zitiert, die den Lebensstil hinter den Mauern des Seminars zwar als sehr traditionalistisch und streng, aber auch "sehr ordentlich" beschreiben.

Hausverbot in Regensburg

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller seinem britischen Amtsbruder Hausverbot erteilt. Müller habe am Dienstag bei einer Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag die Äußerungen Williamsons als "menschenverachtend" bezeichnet, teilte die Diözese am Mittwoch mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Müller warf dem 67-Jährigen auch "Gotteslästerung" vor, Williamson stehe damit außerhalb der katholischen Kirche.

Gegen Williamson, der zu der erzkonservativen Bruderschaft St. Pius X. des verstorbenen französischen Erzbischofs Marcel Lefebvre gehört, ermittelt die Regensburger Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung, weil er in einem Fernsehinterview die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Nazi-Gaskammern bestritten hat. Vor wenigen Tagen hatte Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von Williamson und drei anderen Bischöfen der Piusbruderschaft rückgängig gemacht. Insbesondere von jüdischen Organisation wurde dies scharf kritisiert.   (APA)

Share if you care.