"Alles Walzer" im Zeichen des Regenbogens

29. Jänner 2009, 17:06
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Bereits zum zwölften Mal lud die HOSI Wien zum Regenbogenball auf das glatte Tanzparkett des Wiener Parkhotels Schönbrunn - dabei war das Event eigentlich gar nicht als Ball geplant

Wer erwartet, am Regenbogenball eine kleine Ausgabe des "Life Balls" zu erleben, hat weit gefehlt: Das Sehen und Gesehenwerden ist hier nur zweitrangig; unbeschwertes Tanzen und Genießen stehen im Mittelpunkt - ein eleganter, aber ungezwungener "Wohlfühlball" also.

Am 31. Jänner fand das beliebte Event zum 12. Mal statt - wie immer am letzten Samstag im Jänner, traditionell im Wiener Parkhotel Schönbrunn. "Wir sind bereits fast ausverkauft", freute sich Organisator Christian Högl, Obmann der Homosexuellen Initiative HOSI Wien, die den Ball seit 2004 veranstaltet, im Vorfeld.

Bis zu 1500 Menschen tummeln sich jährlich auf dem Tanzparkett und in den Nebenräumen. Dabei war der Ball ursprünglich gar nicht als Ball geplant, erinnert sich Veit-Georg Schmidt, Buchhändler in der Buchhandlung "Löwenherz" und ehemaliger Präsident des - heute nicht mehr existierenden - Vereins Christopher Street Day Wien (CSD), der viele Jahre die Regenbogen-Parade auf der Wiener Ringstraße und in den ersten Jahren auch den Regenbogenball organisierte. "Begonnen hat alles mit der Paraden-Abschlussparty 1997 im Volksgarten, bei der leider ziemlich viel schief gelaufen ist. Wir wollten damals ein einfaches, kostengünstiges 'Wiedergutmachungsfest' für die Community starten - bis die Idee aufkam, doch einen Ball zu machen."

Von einfach und kostengünstig konnte dann zwar keine Rede sein, doch der fulminante Erfolg gab den OrganisatorInnen und ihrer Idee Recht: "Der Andrang war so groß, dass das Wimberger Hotel, in dem der erste Ball stattfand, schnell zu klein wurde", erzählt Schmidt. So übersiedelte man 2000 ins Parkhotel mit seinem beliebten, weitläufigen Tanzsaal im eleganten rot-goldenen Ambiente.

Verfeinertes Konzept

"Unseren Gästen immer etwas Neues zu bieten und trotzdem nicht zu stark in das erfolgreiche traditionelle Konzept einzugreifen, das ist die große Herausforderung", erklärt Organisator Christian Högl. "Als wir den Ball übernommen haben, mussten wir nicht viel verändern, haben nur ein paar Verfeinerungen und Glättungen durchgeführt, zum Beispiel das Plakat neu gestaltet oder eine eigene Ball-Homepage eingeführt. Und heuer gab es erstmals einen Online-Ticketshop."

Zu den unverzichtbaren Fixpunkten gehören etwa die Eröffnung durch das Regenbogen-Ballkomitee und die Tanzgruppe "Les Schuh Schuh", die Wiener Damenkapelle Johann Strauß, die Tombola und - als einer der Höhepunkte - die Mitternachtsquadrille unter der Leitung von Tanzmeister Wolfgang Stanek. Nach Mitternacht haben "Special Guests" ihren Auftritt: Die ersten waren 1998 die "Rounder Girls", heuer werden "Papermoon" erwartet. Aber auch internationale Stars wie das spanische Erfolgs-Duo "Baccara", der britische Popmusiker Jimmy Sommerville oder Marc Almond begeisterten schon die Ballgäste.

Tanzmeister Wolfgang Stanek ist übrigens bereits seit dem allerersten Ball dabei, weiß Veit-Georg Schmidt: "Als er damals in seiner Tanzschule in Folge lesbischwule Tanzkurse angeboten hat, wollte ihn der internationale Tanzverband ausschließen. Aber er ist dazu gestanden - und nix ist passiert."

Die Frage nach der Abgrenzung zum Life Ball ist Veit-Georg Schmidt schon oft gestellt worden - nachvollziehen kann er sie aber nicht: "Das ist die klassische Frage der Außenwahrnehmung. Ich verstehe nicht, warum man die beiden Bälle miteinander verbindet. Der Regenbogenball ist ein klassischer Ball, wo das Tanzen im Vordergrund steht. Vielleicht fünf Prozent aller Gäste sind auffällig gekleidet, alle anderen tragen große Abendgarderobe. Warum erwartet man dann dasselbe wie am Life Ball?"

Finanziert wird der Regenbogenball durch die Einnahmen aus den Eintrittskarten, der Erlös wird in die Regenbogenparade gesteckt. "Der Ball finanziert vor allem die aufwändige Technik am Heldenplatz", erklärt Högl. Das System funktioniere auch deshalb, weil sämtliche MitarbeiterInnen ehrenamtlich bei der Sache sind und dank SponsorInnen und KooperationspartnerInnen: "Ich bin stolz auf die gute Zusammenarbeit im Team", sagt Högl, "und ich finde es schön, dass es so bunt ist wie der Ball und die Parade - mit Frauen, Männern, Jüngeren, Erfahreneren, lesbischwulen und heterosexuellen Menschen." Ursprünglich habe er sich ja "mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, die Organisation zu übernehmen, die Monate in Anspruch nimmt", aber: "Mittlerweile macht es mir Spaß - vor allem, wenn es am Ball selbst dann das Lob für die gelungene Veranstaltung zu ernten gibt." (isa/dieStandard.at, 29.1.2009)

Link:

www.regenbogenball.at

Wer im Organisationsteam für die Parade mitmachen will, ist eingeladen, sich im HOSI-Wien-Büro zu melden:

HOSI-Zentrum
Novaragasse 40
1020 Wien
Tel.: 01/216 66 04

www.hosiwien.at

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  • Bis zu 1500 Menschen tummeln sich alljährlich auf dem Regenbogenball im Wiener Parkhotel Schönbrunn.
    foto: diestandard.at/yeoh

    Bis zu 1500 Menschen tummeln sich alljährlich auf dem Regenbogenball im Wiener Parkhotel Schönbrunn.

  • Das Regenbogen-Eröffnungskomitee auf einer der beiden Feststiegen.
    foto: hosi

    Das Regenbogen-Eröffnungskomitee auf einer der beiden Feststiegen.

  • Die Tanzgruppe "Les Schuh Schuh" ist fixer Bestandteil der Eröffnungszeremonie.
    foto: karin kriechmayr

    Die Tanzgruppe "Les Schuh Schuh" ist fixer Bestandteil der Eröffnungszeremonie.

  • Einer der Höhepunkte des Balles: die Mitternachtsquadrille unter Anleitung von Tanzmeister Wolfgang Stanek.
    foto: diestandard.at/yeoh

    Einer der Höhepunkte des Balles: die Mitternachtsquadrille unter Anleitung von Tanzmeister Wolfgang Stanek.

  • Organisiert wird der Ball seit 2004 von der Homosexuellenintitiative HOSI Wien - im Bild Szeneliebling Lucy McEvil, die als Moderatorin einige Regenbogenbälle begleitete.
    foto: diestandard.at/yeoh

    Organisiert wird der Ball seit 2004 von der Homosexuellenintitiative HOSI Wien - im Bild Szeneliebling Lucy McEvil, die als Moderatorin einige Regenbogenbälle begleitete.

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