Große Skepsis bei den Lehrern

28. Jänner 2009, 15:18
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87 Prozent gegen "Zentralmatura" nur an AHS - Gewerkschaft fordert Schmied zur Kommunikation auf

Wien - Große Skepsis herrscht bei den Lehrern bei den Plänen des Unterrichtsministeriums für eine "standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung". In einer der APA vorliegenden Umfrage der AHS-Lehrergewerkschaft, an der 9.659 Pädagogen und damit rund die Hälfte aller AHS-Lehrer teilgenommen haben, sprechen sich 87 Prozent dagegen aus, diese Maturaform nur in der AHS durchzuführen. Einer gleichzeitigen Einführung der standardisierten Matura für AHS, berufsbildenden höhere Schulen (BHS) und Berufsreifeprüfung stimmt jeder zweite Befragte zu, 30 Prozent lehnen dies ab.

Lehrer mehrheitlich dagegen

Mit knapp 92 Prozent die höchste Ablehnung findet in der Umfrage zur "Zentralmatura", so die Bezeichnung der Gewerkschaft, der Punkt "Keine Berücksichtigung von Schulform, Anzahl der Jahreswochenstunden und schulautonomen Schwerpunktsetzungen bei den Klausuraufgaben". 89 Prozent lehnen es ab, dass bei der mündlichen Prüfung nur eine Frage beantwortet werden muss. Zwei von drei Lehrern (67 Prozent) lehnen die für jeden Schüler künftig verpflichtende vorwissenschaftliche Arbeit ab. 78 Prozent sind dagegen, dass man sich eine negative schriftliche Arbeit nicht mehr durch eine mündliche Prüfung ausbessern kann. Die höchsten Zustimmungen gab es für die verpflichtende schriftliche Matura in einer lebenden Fremdsprache (56 Prozent). Dass Kandidaten künftig bei der mündlichen Prüfung seine Präsentationskompetenz unter Beweis stellen muss, finden 47 Prozent gut.

Bei der Bevölkerung gibt es dagegen mehrheitliche Zustimmung, 57 Prozent der Österreicher sprechen sich für die Einführung einer standardisierten Reifeprüfung aus, berichtete das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner aktuellen Ausgabe. 31 Prozent der Befragten lehnen in der OGM-Umfrage die Zentralmatura ab.

"Höchste Zeit"

Die Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, Eva Scholik, forderte am Dienstag in einer Aussendung Unterrichtsministerin Claudia Schmied auf, "die Kommunikation zur geplanten Zentralmatura endlich ernsthaft aufzunehmen und intensiv zu führen". Es sei höchste Zeit für eine inhaltliche Auseinandersetzung, "da die neuen Regeln den Schülern am Beginn der Oberstufe bekannt sein müssen". Weil die neue Maturaform erstmals 2014 angewendet werden soll, würden schon in eineinhalb Jahren die betroffenen Schüler die Oberstufe beginnen. "Es ist höchste Zeit zum Handeln", so Scholik.

Die Idee einer standardisierten kompetenzorientierten Reifeprüfung mit zentralen Elementen unter Berücksichtigung schulautonomer Schwerpunktsetzungen sieht Scholik grundsätzlich positiv. Allerdings müssten einige Punkte erfüllt sein, um die Vergleichbarkeit der Maturaprüfungen zu ermöglichen und der Vielfalt der Schulformen und schulautonomen Entwicklungen zu entsprechen: So müssten die zentral geprüften Elemente sich "auf die Kenntnisse und Kompetenzen beschränken, die von allen Personen erwartet werden, denen eine allgemeine Studienberechtigung erteilt wird". Die Vergleichbarkeit der Matura müsse für alle höheren Schulen gelten und nicht nur für die AHS. Die Gleichwertigkeit von schriftlichen und mündlichen Prüfungen müsse gewahrt bleiben, ebenso die Möglichkeit, negative schriftliche Prüfungen im Rahmen der mündlichen Reifeprüfung auszubessern.

Diskussion geplant

Bei der geplanten Reform der Lehrerausbildung wertet es Scholik positiv, dass die von einer Expertenkommission erstellten Vorschläge "mit allen Betroffenen diskutiert und auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden sollen". Inhaltlich nahm Scholik sonst nicht zu den Eckpunkten der neuen Lehrerbildung Stellung. Der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft, Walter Riegler, zeigte sich gegenüber der APA erfreut über die Ankündigung der Regierung, den Bachelor- und Masterabschluss künftig für alle Pädagogen einzuführen. Die Gleichstellung der Pflichtschullehrer mit anderen Lehrergruppen vom Ausbildungsniveau her sei "eine langjährige Forderung von uns". Wichtig sei aber, "die Vorzüge" der einzelnen Ausbildungen, zum Beispiel den Praxisbezug bei der Ausbildung zum Pflichtschullehrer an den Pädagogischen Hochschulen (PH), beizubehalten. Die Inhalte, die zum Master führen, könnten nicht für alle gleich sein: Ein künftiger Lehrer einer Sonderschule benötige anderes Rüstzeug als jener einer AHS.

Ein Aufnahmeverfahren in Form einer Studieneingangsphase ist für Riegler "kein Problem" und vertretbar. Grundsätzlich sei es wichtig, den "Überbau" im Blick zu behalten. Man erwarte in den kommenden zehn Jahren eine "Ersatzrate" von 40.000 bis 50.000 Pädagogen aller Schularten. Demgegenüber können man nach derzeitigen Voraussetzungen maximal bis zu 17.000 Personen ersetzen. Es drohe damit "in zehn Jahren ein Loch von rund 20.000 Leuten", so Riegler. Wolle die Politik nun die Besten für den Lehrberuf holen, "ist das ein guter Ansatz in Richtung Qualität". Es benötige aber auch Anreize, dass sich "die Besten zu Haufen" für eine Ausbildung anstellen. So müsse man den potenziellen Pädagogen "ein ordentliches Paket bieten". (APA)

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