E-Voting bei der ÖH-Wahl

Studenten als E-Voting - "Versuchskaninchen"

28. Jänner 2009, 14:10
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    foto: standard/cremer

    E-Voting: Erstmals Ende Mai bei den ÖH-Wahlen.

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Wie wird gewählt? Was spricht dafür, was dagegen? Wann kommt E-Voting bei anderen Wahlen? Ein derStandard.at-Überblick

Ende Mai sind wieder ÖH-Wahlen – und sie werden diesmal wohl deutlich mehr Aufmerksamkeit erregen als sonst. Der Grund: Erstmals wird in Österreich E-Voting bei einer regulären Wahl möglich sein. derStandard.at hat die wichtigsten Fragen zum elektronischen Wählen beantwortet.

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Wann kommt E-Voting erstmals nach Österreich?

Ende Mai, voraussichtlich von 26. bis 28. Mai, können rund 230.000 StudentInnen ihre Stimme für die Studien- und Universitätsvertretung abgeben.

Die Wahl wird (auch, nicht ausschließlich) elektronisch möglich sein. Von Montag, acht Uhr früh bis Freitag, 18 Uhr kann per E-Voting gewählt werden. In der Woche darauf findet von Dienstag bis Donnerstag die "klassische" Papierwahl statt. Die Stimmen werden gemeinsam am Donnerstag ausgezählt.

Kann ich dann nur mehr elektronisch wählen?

Nein. Jeder Student hat die Wahl, ob er seine Stimme lieber elektronisch abgibt oder ganz klassisch in der Wahlzelle. Was allerdings nicht möglich ist: Seine Stimme erst per E-Voting abzugeben und sie dann durch die Papierwahl zu "korrigieren".

Wo und wie wähle ich?

Wer sich fürs E-Voting entscheidet, der braucht dazu seine E-Card. Die dient, mit einer unter www.buergerkarte.at erhältlichen Software, als "Bürgerkarte" zur Identifizierung. Wie die Daten von der Karte in den PC kommen? Mittels Kartenlesegerät, das gratis unter www.studi.gv.at oder im Verkauf um etwa 15 Euro erhältlich ist. Wählen kann man dann überall, wo es einen PC mit Internetanbindung gibt – also auch im Ausland oder daheim. In Uni-Bibliotheken und anderen Gemeinschaftsräumen wird auch das Wählen an der Uni möglich sein. Wie man dann tatsächlich sein Kreuzchen macht, unterscheidet sich nicht wesentlich von der Papierwahl. Der klassische Wahlzettel wird online abgebildet sein.

Sitzt irgendwo ein Systemadministrator, der weiß was ich gewählt habe?

Nein. Der Wähler verschlüsselt seine Stimme mit einem öffentlichen Schlüssel und setzt seine digitale Signatur darunter. Bei der Auszählung entfernt die Wahlkommission die Signaturen, mischt die Stimmen und entschlüsselt sie erst dann. Danach wird ausgezählt. Zu keinem Zeitpunkt sollte irgendjemand einen inhaltlichen Konnex zwischen Wähler und Stimme herstellen können.

Ist das auch wirklich sicher?

Ja, sagen das Bundesrechenzentrum und die Firma Scytl, die den Auftrag zur Umsetzung haben - mit einem "übergreifenden Sicherheitskonzept", das den Umgang mit Angreifern von Innen und Außen, mit IT-Störungen und mit der Frage der Authentifizierung und Identifizierung der Wählerstimme regelt. Auch der Leiter der Wahlkommission ist überzeugt, dass das System sicher ist – anders als die Vorsitzende der Wiener Wahlkommission: Sie ist wegen "juristischer und technischer Bedenken" zurückgetreten. Kritiker warnen immer wieder vor Möglichkeiten der Manipulation.

Was spricht sonst dafür oder dagegen?

Die Pro-Argumente sind großteils die selben wie bei der Briefwahl: Wählen ist leichter, unbürokratischer, schneller möglich. Bei der ÖH-Wahl kommt dazu, dass viele StudentInnen sich nicht dauernd an der Uni aufhalten und im Zweifelsfall nicht extra hinfahren, um zu wählen. Die Politik erhofft sich langfristig eine deutliche Erhöhung der Wahlbeteiligung durchs E-Voting.

Dagegen sprechen einerseits technische, andererseits juristische Bedenken.

Was die rechtlichen Fragen angeht, sind die auch hier weitestgehend ident mit denen bei der Briefwahl. Insbesondere die Einhaltung des Grundsatzes vom "persönlichen Wahlrecht" wird angezweifelt. Tatsächlich ist es – trotz aller Authentifizierungsmaßnahmen – nie hundertprozentig feststellbar, wer vor dem PC sitzt oder wer das Briefkuvert zuklebt.

Was, wenn es schiefgeht?

Allen Vorkehrungen zum Trotz existiert natürlich das Szenario: Das System bricht während der Wahl zusammen, irgend etwas funktioniert nicht. Was dann? In diesem Fall würde die Wahlkommission die elektronische Wahl für ungültig erklären. Die StudentInnen, die bereits ihre Stimme abgegeben haben, würden dann aufgefordert, noch einmal "klassisch" zu wählen.

Wann werden auch andere Wahlen elektronisch?

Dass die ÖH-Wahl eine Art Testballon für andere Wahlen ist, sagen alle Beteiligten. Rein rechtlich ist nicht nur bei der ÖH-Wahl, sondern auch bei der Wirtschaftskammerwahl E-Voting möglich. Das Gesetz wurde bereits entsprechend adaptiert. Die nächste WKÖ-Wahl findet 2010 statt. Für die Anwendung bei größeren bundesweiten Wahlen sei eine Vorlaufzeit von zwei Jahren unabdingbar, so Thomas Grechenig, Professor an der TU Wien.

Was halten die Studierenden davon?

Schwer zu sagen. Während in einer Umfrage des Wissenschaftsministeriums aus dem Jahr 2008 82 Prozent der Studierenden E-Voting begrüßen, sprechen sich viele Funktionäre der Hochschülerschaft dagegen aus. Im Ministerium rechnet man mit mehr oder weniger gravierenden Störaktionen im Vorfeld und während der Wahl.

Machen andere Länder das auch?

Versuche mit E-Voting gab es bereits in vielen europäischen Ländern – allerdings vor allem als Testwahlen oder "Schattenwahlen". Einige Länder sind da schon weiter: In Estland fand 2005 die erste verbindliche Internetwahl bei Lokalwahlen statt, in Norwegen wird 2011 bei Lokalwahlen E-Voting eingesetzt. Das Modell für das sich Österreich entschieden hat – Authentifizierung mittels Bürgerkarte und die Abbildung des Stimmzettels im Internet – wird aber nicht überall angewendet. In vielen Ländern werden Wahlmaschinen eingesetzt. (Anita Zielina, derStandard.at, 28.1.2008)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 91
1 2 3
»Pythagoras«
00
10.4.2009, 15:43
hahaha

muhahahahahahah
bruuuhahahahahhahamuhahahah

https://secure.wikileaks.org/wiki/Aust... 7_Feb_2009

hrhr :)

rant-a-bit
01
24.2.2009, 17:16
dagegen spricht vorallem auch

dass keine transparente auszählung der stimmen mehr möglich ist.

wahlzettel kann man zu mehrt (von jeder fraktion ein/e vertreter/In) auszählen und jeder kann ohne dipl ing. nachvollziehen welche partei tatsächlich gewählt wurde.

wahlcomputer und evoting sind blackboxes. ich kann zwar wählen bin mir aber keinesfalls sicher ob meine stimme auch gezählt wird (und wie oft)

http://chaosradio.ccc.de/ctv062.html

NicenEasy
21
ÖH Gebühr?

Was ist eigentlich mit der ÖH Gebühr?

Die Studentenvertretungen betreiben der Realität oft genug mehr oder weniger Parteipolitik statt Studentenpolitik. Daher sollten sie auch von den Parteien finanziert werden.

Im Übrigen ist Voraussetzung für ein Studium sicher nicht die Mitgliedschaft bei der ÖH. Das wäre ja noch schöner.

Was passiert also, wenn man die Gebühr nicht einzahlt? Erhält man dann einen Bescheid? Dagegen könnte man mit Rechtshilfe ordentliche Rechtsmittel ergreifen.

Können sich die Universitäten die ÖH überhaupt noch "leisten"?

Ogg
00

Die ÖH-Mitgliedschaft ist eine gesetzlich verankerte Voraussetzung fürs Studium in Österreich, ähnlich wie die WKO-Mitgliedschaft Voraussetzung für die Ausübung eines Gewerbes ist. Tipp: Gründen Sie eine eigene ÖH-Fraktion, die den Beitrag reduzieren bzw. abschaffen will, wenn Sie mit dessen Höhe nicht einverstanden sind.

universaldilettant aka iq007
 
10
13.2.2009, 04:26

magst wohl lieber drei Bier trinken, oder wie?

ElQueNoEntiende
10

Wenn du nicht einzahlst, bist du nicht inskribiert und damit nicht Student, so einfach ist das ;)

api
00
30.1.2009, 12:50
Briefwahl ist was Gutes

An die Briefwahlgegner:
Wollt ihr Auslandsösterreicher wie mich von der Demokratie ausschließen? Mir ist es sehr wichtig zu wählen, obwohl ich gerade nicht in Österreich lebe.
Und noch einfacher wär's per Internet.

(Jetzt schreibt sicher gleich wär: "Ja, jemanden wie dich sollte man von der Wahl ausschließen." Nicht? :-)

»Pythagoras«
00
10.4.2009, 15:59

vielleicht weißt du eine möglichkeit, wie man als auslandsösterreicher_in prinzipiell wählen kann, sodass rein vom prinzip her niemand neben dir stehen kann und dir beim wählen zusieht. das sollte rein prinzipiell möglich sein.

z.b. bei einem notar, der das wahlkuvert mit seinem stempel versiegelt. damit wäre auch sichergestellt, dass man eigenhändig wählt.

api
00
30.1.2009, 12:53

Entschuldigt den Tippfehler. Ich meinte natürlich "wer", nicht "wär".

api
10
30.1.2009, 12:49
Verfolgungswahn

Was habt ihr denn alle für einen Verfolgungswahn? Habt ihr denn überhaupt kein Vertrauen in unsere Demokratie und in den Rechtsstaat? Glaubt ihr allen Ernstes, es will euch jemand bespitzeln? Wir sind in Mitteleuropa und nicht in irgendeiner totalitäten Diktatur!

Ich weiß, ihr werdet mich für diese Aussage in der Luft zerfetzen, beschimpfen und mir alles Mögliche unterstellen, aber das brennt mir schon lange auf der Zunge bzw. auf den Tasten.

universaldilettant aka iq007
 
00
13.2.2009, 04:31

Alle Diktaturen dieser Welt würden sich über die Medienkonzentration in Österreich alle Finger abschlecken.
80% durch staatliche Radios
35% oder mehr durch staatliches Fernsehen
40% durch die Krone.
von Media-Mill ganz zu schweigen.

Nein, ich habe kein blindes Vertrauen in Demokraite, weil die schneller weg ist als man denkt. Ich hatte auch kein Vertrauen in die Wirtschaft und Aktienmärkten geschweige denn, vertraute ich dem Geschwafel, die Menschen müssen nur ihr VErtrauen zurückgewinnen.


BK W. Shoyssel
02
30.1.2009, 00:21
Schwachsinn

das ganze System ist nur so sicher, wie das schwächste Glied in der Kette. Und das ist der nicht gepatchte Windows-PC des Endusers. Wenn dort lustige Malware die Stimmabgabe mitloggt und an einen Server in Usbekistan verschickt, dann ist es aus mit dem Wahlgeheimnis in .at

Simon Fog
04
29.1.2009, 12:23

"Bei der ÖH-Wahl kommt dazu, dass viele Studenten sich nicht dauernd an der Uni aufhalten und im Zweifelsfall nicht extra hinfahren, um zu wählen. "

Lösung: man sollte mindestens 2 Wochen Zeit haben wählen zu gehen. (Sollte im übrigen auch bei der Nationalratswahl so sein. Mich ärgert es jedes Mal am Sonntag wählen gehen zu müssen, obwohl das mein freier Tag ist und ich da wegfahr. Es sollte auch unter der Woche möglich sein persönlich wählen zu gehen.)

jui
04
29.1.2009, 11:43
für mehr Wahlbeteiligung?

Das ist das absurdeste Argument für E-Voting! Der Aufwand wird dadurch ja nicht geringer. Wenn ich mich Wochen vorher registrieren lassen, auf eine Karte warten und ein Lesegerät kaufen muss, dann sind das viele einzelne Schritte, die ich sowieso erst mache, wenn ich mir sicher bin, dass ich wählen werde.

Ich habe LVen auf der Uni, muss meine Bücher dort ausborgen/zurückbringen, mich mit anderen zu gemeinsamen Arbeiten treffen usw. StudentInnen haben einen sehr mobilen Arbeitsalltag. Da ist es kein Aufwand in drei Tagen einmal beim Wahllokal vorbeizuschauen.

itavalda
60
29.1.2009, 09:24

BLA BLA In den HTL ´s ist da e-voting bei den Schülervertreterwahlen schon lange eingeführt.

Magic Wand
 
02
29.1.2009, 11:36
bei meinem Greißler kann ich auch

einmal die Milch einen Tag lang schuldig bleiben, ohne dass sich gleich unsere Anwälte zusammensetzen und ein Vertragswerk aufsetzten.

Trotzdem würde ich letzteres bei internationalen Verträgen vorziehen ...

NicenEasy
00
Ohne Rauch geht's auch...

Hä?

Das Worin des sich verweisenden Verstehens als Woraufhin des Begegnenlassens im Seienden der Bewandtnis ist das Phänomen der Welt.

itavalda
00
29.1.2009, 18:46

was hat das jetzt mit e-voting zu tun

eidos
01
29.1.2009, 09:00
ich finds gut!

wenn die bürger die wahlen entscheiden, kommt eh nichts dabei raus.
vielleicht entscheiden die hacker besser.

georg345
03
29.1.2009, 08:30
Wahlgeheimnis wird wie bei der Briefwahl zu Grabe getragen

Bei der ÖH Wahl ist es mir ja egal, aber bei Nationalratswahlen sicher nicht ...
Ein echtes Wahlgeheimnis gibt es nur, wenn es eine Pflicht zur geheimen Stimmabgabe und nicht nur die Möglichkeit dazu gibt. Ich mache mir weniger Sorgen, dass das Ganze technisch umsetzbar ist oder dass irgendwer zu entschlüsseln versucht, was gewählt wird, als über folgende Punkte:
- Niemand kontrolliert, wer den Leuten bei der Stimmabgabe "über die Schulter schaut"
- Leute, die sich weniger auskennen, bitten wen um Hilfe, der bei der Stimmabgabe dann möglicherweise auch dabei ist
- die ganze Familie sitzt zur gemeinsamen Wahl vor dem PC ... man hat ja nichts zu verbergen ... (oder vielleicht doch ...?)
Denkt mal darüber nach!

Simon Fog
01
29.1.2009, 12:25

auch die ÖH Wahl ist nicht egal.
Schließlich entscheidet die ÖH auch über dein Studium, wie es sich weiterentwickelt mit.

api
00
29.1.2009, 08:12
eigens konzipierte software

ok, überzeugt. das thema IST relevant, weil es nach der öh-wahl vielleicht auch für andere wahlen eingesetzt wird. entschuldigt bitte meine unqualifizierte aussage vorher.

aber wer von euch weiß denn wirklich, wie das system funktioniert? es wäre doch keine eigens für geheime wahlen konzipierte software, wenn gespeichert würde, wer wen gewählt hat.

mich würde interessieren, warum ihr nicht daran glaubt, dass das funktioniert? bei der briefwahl vertraut ihr ja auch drauf, dass derjenige, der das kuvert mit eurem namen drauf öffnet, nicht auch das kuvert mit dem stimmzettel drin öffnet.

S. L.1
02
29.1.2009, 15:16

Bei der Briefwahl sehe ich das genauso problematisch - eine geheime, persönliche Wahl kann damit auf keinen Fall garantiert werden. Das Problem ist, wenn eine Regierung schon Briefwahlen einführt, ist es bis zum E-Voting bei den Nationalratswahlen nicht mehr weit - und die Manipulationsmöglichkeiten sind dabei noch größer.

taq.
02
29.1.2009, 01:46

ich HOFFE darauf, dass irgendwelche spitzfindigen informatikstudenten es schaffen dieses system zu hacken - und dass am schluss ein vollkommen peinliches ergebnis rauskommt.
ich für meinen teil überleg mir tatsächlich, aufgrund der elektronischen wahl erst gar nicht zu wählen.

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