Lefebvre-Priester gießt Öl ins Feuer

28. Jänner 2009, 17:54
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Pater Abrahamowicz: "Gaskammern dienten zur Desinfizierung"

Vatikanstadt/Rom - Weiterhin erheblich belastet sind die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der jüdischen Welt nach der Aufhebung der Exkommunikation des traditionalistischen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson. Nachdem das israelische Großrabbinat die Verurteilung jeglicher Shoa-Leugnung durch Papst Benedikt XVI. am Mittwoch als "großen Schritt nach vorne" bezeichnet hatte, zeigte sich Rabbiner David Rosen am Donnerstag hingegen weiterhin unzufrieden. Öl in Feuer goss schließlich Pater Floriano Abrahamowicz von der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. in Italien, der meinte, die KZ-Gaskammern hätten zur "Desinfizierung" gedient.

"Raum für Zweideutigkeiten"

Rabbiner Rosen, der maßgeblich am interreligiösen Dialog zwischen Katholiken und Juden beteiligt ist, sagte im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Donnerstag: "Die Solidarität des Papstes mit den Juden ist eine wichtige, gute und sinnvolle Tatsache. Sie lässt aber noch Raum für Zweideutigkeiten, weil der Papst nicht den Fall des Bischofs Richard Williamson in Angriff genommen hat." Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, sollte sich der Bischof entschuldigen, meinte Rosen.

Rosen sagte laut Kathpress, er sehe nach dem Eklat aber keine "neue Eiszeit" im jüdisch-katholischen Verhältnis. Gleichwohl sprach er von einer Krise. Das Interesse beider Seiten, "die bisherigen Errungenschaften im Dialog zu bewahren", sei aber groß genug, um diese Krise zu überwinden. Rosen betonte, wer die Schriften und bisherigen Aussagen des Papstes kenne, könne "nicht ernsthaft annehmen", dass ihm der Dialog mit dem Judentum kein wichtiges Anliegen sei. Ausdrücklich dankte Rosen für die Solidaritätsbekundungen verschiedener Bischofskonferenzen mit dem jüdischen Volk. Dies seien "schöne, beruhigende Erklärungen" gewesen.

Papst verurteilt Leugnung des Holocaust

Der Papst hatte am Mittwoch die Leugnung des Holocaust verurteilt und daran erinnert, dass er mehrfach in das Vernichtungslager Auschwitz gereist sei - "eines der Lager, wo das abscheuliche Massaker an Millionen Juden verübt wurde".

Israels Großrabbinat hatte die Worte des Papstes, der bei der Generalaudienz am Mittwoch jegliche Form des Vergessens, der Leugnung oder Verharmlosung der Shoah verurteilt hatte, noch am gleichen Tag als "großen Schritt nach vorne" bezeichnet. "Es handelt sich um eine sehr wichtige Aussage für uns und für die ganze Welt", hatte der Generaldirektor des Großrabbinats, Oded Wiener (rpt. Wiener), gesagt. Das israelische Großrabbinat hatte aus Protest gegen die Aufhebung der Exkommunikation von Williamson durch den Papst die offiziellen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen.

"Gaskammern dienten zur Desinfizierung"

Nach solchen ersten Anzeichen der Wieder-Annäherung hat am Donnerstag allerdings ein weiterer Fall von Holocaust-Leugnung durch einen Lefebvre-Priester Schlagzeilen gemacht: "Ich weiß, dass es die Gaskammern gegeben hat, zumindest zur Desinfizierung. Ich kann aber nicht sagen, ob darin Menschen getötet wurden oder nicht, weil ich die Angelegenheit nicht vertieft habe", sagte Pater Floriano Abrahamowicz, Chef der Lefebvre-Gemeinschaft in den nordöstlichen Regionen Italiens im Interview mit der regionalen Tageszeitung "La Tribuna di Treviso". Die Aussagen wurden binnen kürzester Zeit von allen großen Medien Italiens zitiert.

Der Priester meinte, dass die Leugnung der Shoah durch Williamson eine "Unvorsichtigkeit" gewesen sei. Er betonte, dass es Widersprüche im Zusammenhang mit den Opfern des Holocausts gebe. Die Opferzahl sei unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg den amerikanischen und britischen Kräften "auf der Welle der Emotionen" mitgeteilt worden. Im "Eifer" habe das Oberhaupt der deutschen jüdischen Gemeinschaft den Amerikanern einfach eine Zahl genannt." Wie konnte er aber diese (Zahl) genau wissen? Für ihn war das Wichtige, dass diese Opfer aus religiösen Gründen ungerecht getötet wurden. Die Kritik, die man wegen der Art der Behandlung des Holocausts anbringen kann, ist, dass man ihm gegenüber anderen Völkermorden Priorität einräumt", so der Priester, der die Messe auf traditionalistische, vor-konziliäre Weise auf Latein zelebriert, u.a. hatte er das 2007 für den Chef der rechten Lega Nord, Umberto Bossi, getan.

Abrahamowicz versicherte allerdings, dass er keineswegs antisemitisch sei. Kein Katholik könne antisemitisch sein. Er selber habe von väterlicher Seite jüdische Wurzeln. Er hoffe, dass die Juden bald "unseren Herren Jesus Christus umarmen werden". (APA)

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