Obama fährt härteren Kurs gegen Karzai

28. Jänner 2009, 11:54
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Präsident "potenzielles Hindernis" - Korruption gestiegen, Drogenhandel floriert, Taliban werden stärker

Washington - US-Präsident Barack Obama strebt einen härteren Kurs gegenüber dem vollständig von westlicher Hilfe abhängigen afghanischen Präsidenten Hamid Karzai an, wie die "New York Times" (NYT) am Mittwoch berichtet. Karzai, mit dem Obamas Vorgänger George W. Bush noch regelmäßig Videokonferenzen abgehalten hatte, werde nun als potenzielles Hindernis gesehen, die Ziele der USA in Afghanistan zu verwirklichen. Unter dem seit 2002 amtierenden Präsidenten sei die Korruption in Afghanistan deutlich angestiegen, der Drogenhandel floriere und es habe ein Wiedererstarken der Taliban gegeben, hieß es zur Begründung.

Washington könnte sich als Alternative auch eine Zusammenarbeit mit den lokalen Führern in den Provinzen vorstellen, hieß es in dem Bericht. Zudem wolle die neue US-Regierung den Aufbau der Wirtschaft und der zivilen Gesellschaft in Afghanistan zunehmend den Europäern überlassen, so dass sich die US-Streitkräfte auf den Kampf gegen die Rebellen konzentrieren könnten.

Präsidentschaftswahl

Zu den Kritikern des 51-jährigen Karzai, der in diesem Jahr seine Wiederwahl anstrebt, gehörten Vizepräsident Joe Biden und Richard Holbrooke, Obamas Sonderbeauftragter für Pakistan und Afghanistan, hieß es. Ob die USA Karzais erneute Präsidentschaftskandidatur unterstützen werden, hänge maßgeblich davon ab, ob dieser der Forderung der USA und der NATO-Verbündeten nachkommt, eigene Gefährten festzunehmen, die unter dem Verdacht des Drogenschmuggels stehen. Darunter ist auch ein Halbbruder Karzais.

Karzai hatte nach Obamas Amtsantritt gesagt, das afghanische Volk hoffe darauf, dass die strategischen Beziehungen zwischen den beiden befreundeten Staaten weiter gestärkt würden. Am Dienstag hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates angekündigt, die US-Truppen in Afghanistan bis zum Sommer mit mehreren tausend Soldaten zu verstärken. Derzeit befinden sich 34.000 US-Soldaten in Afghanistan.

Kompromiss der Geheimdienste

Die Einsetzung des Paschtunen Karzai in Kabul war allgemein als Ergebnis eines Kompromisses zwischen dem US-Geheimdienst CIA und der pakistanischen Armeeführung interpretiert worden. Karzai galt lange Zeit als Vertrauensmann des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI. Als er 1992 kurzzeitig das Amt des stellvertretenden Außenministers bekleidete, wurde Karzai vom damaligen Geheimdienst des Tadschiken-Führers Ahmed Shah Massud unter dem Verdacht der Kollaboration mit dem pakistanischen Geheimdienst festgenommen. Es gelang Karzai damals zu entkommen. (APA/dpa)

 

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