Sieben Männer verhaftet

28. Jänner 2009, 10:58
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18 Hausdurchsuchungen zeitgleich - Ob die beiden Killer darunter sind, ist noch unklar - Zwei gefundene Patronenhülsen könnten "heiße Spur" liefern - mit Video

Zwei Wochen nach dem Mord an Umar I. wurden weitere sieben Personen festgenommen. Ob die beiden Killer darunter sind, ist noch unklar. Konstant ist hingegen die politische Kritik an der Innenministerin – Von
Michael Simoner

Wien – Zwei Patronenhülsen, Kaliber 7,65, sind die heißeste Spur im derzeit wichtigsten Kriminalfall Österreichs. Projektile mit dem gleichen Durchmesser hatten am 13. Jänner den tschetschenischen Flüchtling Umar I. (27) getötet. Das belastende Material wurde Mittwochfrüh im Rahmen einer großangelegten Polizeiaktion mit insgesamt 18 Hausdurchsuchungen in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark sichergestellt. Sieben Personen wurden festgenommen, ob sich darunter auch die beiden gesuchten Killer befinden, war vorerst aber noch unklar.


Mit dem bereits früher verhafteten mutmaßlichen Chauffeur des Mordkommandos befinden sich nun bereits acht Personen in Haft. Alle sind Tschetschenen, alle bis auf einen auch anerkannte Flüchtlinge. Die meisten Zugriffe erfolgten in Niederösterreich. Auf Frage des _Standard erklärte der Leiter der Antiterroreinheit Cobra-Wien, Hannes Gulnbrein, dass auch Flüchtlingsherbergen betroffen gewesen seien – allerdings nicht das Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen.


Beihilfe zum Mord


Den Verdächtigen wird Schmieden eines Komplotts, Beihilfe zum Mord und Beteiligung an einer Vereinigung der organisierten Kriminalität zur Last gelegt. Einmal mehr bat Gerhard Jarosch von der Staatsanwaltschaft Wien um Verständnis dafür, dass keine Details _bekanntgegeben werden könnten. Der Fall sei zu heikel, durch vorschnelle Informationen könnten die Ermittlungen gefährdet werden. Weitere Verhaftungen seien nicht auszuschließen.


Dementsprechend unbestätigt bleibt auch weiterhin, ob der Mord auf offener Straße einen politischen Hintergrund hat. Wie berichtet, war Umar I. 2004 vor dem russlandtreuen Regime des tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrow geflüchtet. Auch in Österreich, von wo aus I. beim _Europäischen Menschenrechtsgerichtshof eine Folterklage gegen Russland angestrengt hatte, fühlte sich die Familie weiterhin bedroht und suchte deshalb um Personenschutz an. Doch der Polizei war das geschilderte Bedrohungsszenario zu vage, Personenschutz wurde abgelehnt.
Knackpunkt der Kritik am Verfassungsschutz ist die Tatsache, dass im Sommer 2008 ein tschetschenischer Flüchtling, der illegal aus der Slowakei eingereist war, mehrere Male vor der Polizei ausgesagt hatte, dass er den Auftrag habe, Umar I. nach Hause zu bringen – oder ihn zu liquidieren. Zuletzt hatte er diese Behauptung bei einer fremdenpolizeilichen Einvernahme in der Bezirkshauptmannschaft Baden wiederholt. Im Protokoll gibt der Mann an, selbst Leiter einer Abteilung für Rück_holungen von tschetschenischen Flüchtlingen zu sein.

Flug nach Moskau

Ob ihm geglaubt wurde oder nicht, sei dahingestellt, jedenfalls wurde er nicht festgenommen. Nachdem er es ablehnte, auch in Österreich einen Asylantrag zu stellen, wurde er in einem Air-Berlin-Flieger nach Moskau abgeschoben. Normalerweise werden illegale Grenzgänger aber in das Land abgeschoben, in dem sie um Asyl angesucht haben – in diesem Fall die Slowakei. Die ungewöhnliche Vorgehensweise nährt den Verdacht, dass die Behörden einen Deal mit dem russischen Geheimdienst abgewickelt haben könnten (siehe Artikel).


Für anhaltende politische Kritik sorgt Innenministerin Maria Fekter (VP). Ihre Aussage, dass der Fall in ein mafiöses Umfeld eingebettet sei, klingt in den Ohren von Peter Pilz (Grüne) so, als ob das Opfer posthum in ein kriminelles Eck gedrängt werden solle. Wie berichtet, hatte Fekter vergangene Woche kurzfristig erklärt, dass Umar I. Polizeischutz abgelehnt habe, diese Behauptung kurz danach aber wieder zurückgezogen. Derzeit stehen mehrere Dutzend Personen unter Polizeischutz, darunter auch involvierte Rechtsanwälte.
Die Suche nach einer undichten Stelle, aus der vertrauliche Daten des Polizeicomputers Ekis an Medien geflossen sind, ist noch nicht erfolgreich abgeschlossen. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 29.1.2009)

  • Staatsanwalt Gerhard Jarosch und der Wiener Cobra-Chef Hannes Gulnbrein informierten über sieben Festnahmen. Über mögliche Schattenmänner von Geheimdiensten wollten sie nicht spekulieren
    foto: standard/ christian fischer

    Staatsanwalt Gerhard Jarosch und der Wiener Cobra-Chef Hannes Gulnbrein informierten über sieben Festnahmen. Über mögliche Schattenmänner von Geheimdiensten wollten sie nicht spekulieren

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