Ein-Euro-Flatrate für Online-Musik

28. Jänner 2009, 09:21
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Download-Paradies Isle of Man: Insel wird bald nicht mehr nur als Steueroase bekannt sein

Die Isle of Man ist bekannt als Steueroase und Sitz für Offshore-Firmen, für die Tourist Trophy, eines der ältesten und schwierigsten Motorradrennen der Welt. Vor unzähligen Jahren erblickten auf ihr die Brüder Gibbs alias Bee Gees das Licht der Welt. Jetzt will die Insel der angeschlagenen Musikindustrie mit einer Download-Initiative auf die Beine helfen.

Aufzahlung

Das Finanzministerium der 80.000 Seelen-Insel will den Bewohner ermöglichen, unbegrenzt und nach Herzenslust legal Musik aus dem Internet abzusaugen und dafür lediglich einen Aufschlag auf die Monatsgebühr für ihren Breitbandanschluss - und zwar in Höhe von einem britischen Pfund (ein Euro) - zu zahlen.

Die Musikbranche benötige dringend neue radikale Ansätze, um der Download-Piraterie einen Kontrapunkt zu setzen, erläuterte Ron Berry, zuständig für den Bereich E-Business im Finanzministerium der Insel, in der New York Times den geplanten Vorstoß. "Viele Leute in dem Geschäft zerbrechen sich zwar ständig den Kopf darüber, wieviel Geld sie durch Musik-Piraten verlieren, doch nicht darüber, wie sie viel Geld mit Downloads machen könnten", wundert sich Berry.

Seiner Vorstellung nach sollte das Geld, das von den Internetprovidern eingesammelt wird, an eine dafür eingerichtete Agentur übergeben werden, die es wiederum an die Copyright-Inhaber bzw. die Musikindustrie verteilen soll.

Pauschalen-Vorbilder

Erfunden wurde diese Idee auf der Isle of Man freilich nicht. Das Konzept einer so genannten Pauschallizenz für Online-Musik wird seit den ersten Tagen der Musiktauschbörse Napster diskutiert. In anderen Bereichen werden in Europa solche Pauschallizenzen schon jahrzehntelang durchgezogen. Etwa bei Fernseh- und Rundfunkgebühren (in Österreich etwa an den ORF) oder in Form von Kopiergebühren auf CD- und DVD-Rohlinge und andere Speichermedien.

Eine der Voraussetzungen für die Einführung einer Musikflatfee ist eine umfassende Breitbandabdeckung. Und diese ist auf der Isle of Man zu 100 Prozent gegeben.

Gespalten

Die Musikbranche steht der Idee gespalten gegenüber. Während die einen meinen, ein Großteil der momentanen Probleme illegaler Musiknutzung könnte durch flexible Lizenzmodelle tatsächlich gelöst werden, befürchten die anderen dass ganze Teile der Branche mit einem Schlag überflüssig würden - nicht zuletzt der Handel.

Und auch den Mobilfunkbetreibern und Handyherstellern mit ihren Musikangeboten dürfte das Ganze nicht so richtig schmecken, da ihnen dies das Wasser für offizielle, kostenpflichtige Downloads abgraben würde. (kat, DER STANDARD/Printausgabe, 28.1.2009)

  • Wiege der Bee Gees und Pionier in Sachen Flatrate für Download-Musik: die etwas andere Insel Isle of Man.
    foto: epa

    Wiege der Bee Gees und Pionier in Sachen Flatrate für Download-Musik: die etwas andere Insel Isle of Man.

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