Moskau setzt Stationierung von Raketen in Kaliningrad aus

28. Jänner 2009, 17:47
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Reaktion auf Wechsel der US-Politik unter Obama - Medwedew hofft auf Einlenken seines Kollegen

Moskau/Washington - Russland will nach dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama entgegen früheren Ankündigungen nun vorerst doch keine Raketen in der Ostsee-Exklave Kaliningrad stationieren. Die Vorbereitungen zur Aufstellung der "Iskander" -Kurzstreckenraketen seien ausgesetzt, weil die neue Führung in Washington die Pläne für ihr umstrittenes US-Raketenabwehrsystem in Mitteleuropa nicht forciere. Das sagte ein nichtgenanntes Mitglied des russischen Generalstabs nach Angaben der Agentur Interfax am Mittwoch.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte die Stationierung der Kurzstreckenraketen im Gebiet um das frühere Königsberg am Tag nach der Wahl Obamas Anfang November 2008 angekündigt und damit die russisch-amerikanischen Beziehungen auf einen neuen Tiefpunkt gebracht. Russland werde "bei Bedarf" das amerikanische Raketenschild "neutralisieren" , hatte der Kremlchef angekündigt. Beim ersten Telefonat mit Präsident Obama am Montag setzte Medwedew nun deutlich auf Entspannung.

Die Raketen, deren Abschusscontainer auf Lastwagen montiert sind, sollen auch mit Atomsprengköpfen bestückbar sein und könnten mit der angegebenen Reichweite von 400 Kilometern in etwa bis zur deutschen Grenze fliegen. In der russischen Militärführung gibt es in der Raketenfrage aber offenkundig Abstimmungsschwierigkeiten. Es liefen überhaupt keine Vorbereitungen für die Stationierung der Kurzstreckenraketen, zitierte die Agentur Itar-Tass einen Militär im Verteidigungsministerium. Anderslautende Berichte seien "totaler Blödsinn". Experten zweifeln zudem an der technischen Reife der "Iskander" -Raketen, von denen es bislang nur einen Prototyp gebe.

Verträge der Bush-Regierung

Russlands Drohung hatte vor allem die Nato-Staaten Polen und Litauen aufgebracht, die an Kaliningrad grenzen. In Polen sollen zehn Abfangraketen stationiert werden, in Tschechien wird ein Radar als Teil der Raketenabwehr aufgebaut. Mit den Regierungen beider Staaten unterzeichnete Washington bereits entsprechende Verträge. Mit dem Raketenschild wollte die frühere US-Regierung von Präsident George W. Bush Angriffe aus dem Iran oder Nordkorea abwehren. US-Präsident Barack Obama hatte im Wahlkampf erklärt, er wolle sich erst von der technischen Machbarkeit des Schilds überzeugen, bevor er eine Entscheidung trifft. (dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2009))

 

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    Kurzstreckenrakete 'Iskander' bei einer Militärparade in Moskau.

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