Der Chef im Wald kehrt zurück

27. Jänner 2009, 20:09
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Der Habichtskauz ist längst aus den heimischen Wäldern verschwunden. Nun wollen Wissenschafter die imposante Eule wieder ansiedeln

Wildbiologen bemühen sich um die Wiederansiedlung des Habichtskauzes, der seit rund sechzig Jahren bei uns ausgestorben ist. Mit einer Körpergröße von 60 cm und einer Flügelspannweite von 1,25 Metern ist der Habichtskauz eine imposante Eule. Übertroffen werden diese Maße nur vom Uhu, der bis zu 70 cm groß wird, mit einer Flügelspannweite von 1,70 Metern.

Während dieser aber eher offene Landschaften bewohnt, ist der Habichtskauz in ganz Europa "der Chef im Wald", wie der Leiter des Wiederansiedlungsprojektes, Richard Zink vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, sagt. Noch vor rund hundert Jahren war er regelmäßig in Österreichs Wäldern zu finden. Dann ging es bergab: Sein schwach ausgeprägter Fluchtreflex vor dem Menschen und die Intensivierung der Waldbewirtschaftung machten ihm innerhalb weniger Jahrzehnte den Garaus.

Mittlerweile haben sich die Verhältnisse jedoch deutlich verbessert: Der Habichtskauz steht in ganz Europa unter strengem Schutz. Außerdem gibt es auch wieder Wälder, die ihm zusagen sollten. Vorstudien zum Projekt haben ergeben, dass vor allem die Schutzgebiete "Biosphärenpark Wienerwald" und "Wildnisgebiet Dürrenstein" in Niederösterreich geeignete Verhältnisse bieten. "Die Bundesforste und das Forstamt der Stadt Wien legen heute großen Wert auf naturnahe Waldbewirtschaftung. Rund um Wien geht es in erster Linie Wert um die Erholungsfunktion der Wälder. Unter anderem bleiben ältere Bäume deshalb länger stehen", sagt Zink.

Gut für den Habichtskauz: Erstens braucht er große Baumhöhlen, die nur in alten Bäumen zu finden sind, als Brutplatz. Aufgrund seiner Größe benötigt er auch viel Nahrung in Form von Mäusen oder Siebenschläfern. Beides bieten sowohl der Wienerwald als auch das Gebiet um den Dürrenstein.

Mit großer Sorgfalt haben Zink und die Projekt-Kooperationspartner, wie die Österreichische Zoo Organisation und die Eulen- und Greifvogelstation Haringsee, ein Zuchtnetzwerk aufgebaut. Dabei kommen verletzt aufgefundene Tiere aus Slowenien, Kroatien und der Slowakei zum Einsatz, die für eine Freilassung nicht mehr gesund genug werden.

Die Auswilderung der Jungen erfolgt dann nach einem Konzept, das sich schon im Bayerischen Wald bewährt hat: Am Freilassungsort wird eine 40 bis 50 m2 große Voliere gebaut, in die die Jungvögel gemeinsam mit ihren Eltern übersiedeln. Nach zwei bis drei Wochen, in denen sich die Jungen an die Umgebung gewöhnt haben, werden die Käfige geteilt. Die Eltern werden für die weitere Zucht behalten, die Jungen freigelassen. Auf diese Art wird die Ortstreue der Jungen erhöht. Und ist ein Habichtskauz einmal an einem Ort etabliert, bleibt er dort - gemeinsam mit immer demselben Brutpartner - ein Leben lang.

So sollen kleine Populationskeimzellen entstehen. Um den Fortschritt des Projektes überblicken zu können, werden die ausgesetzten Tiere auf verschiedenste Weise markiert und überwacht: Jeder Kauz wird vor seiner Freilassung einer DNA-Untersuchung unterzogen, die später ein individuelles Zuordnen aufgefundener Federn (oder Kadaver) ermöglicht. Außerdem werden im Freilassungsgebiet moderne Nistkästen angebracht, die mit einer Antenne versehen sind.

Sie reagiert auf einen Minichip, den die Vögel in einem Farbring am Bein tragen, und verzeichnet ihr Kommen und Gehen am Nistplatz. Und zu guter Letzt wird den Käuzen ein winziger Sender aufs Gefieder geklebt, mit dem die Bewegungen im Territorium telemetrisch überwacht werden können.

Nutzen für andere Tiere

Das alles kostet eine Menge Geld. Zahlt sich das aus für die Wiederansiedlung einer einzigen Art? "Der Habichtskauz ist eine Flagship-Art", meint Zink. "Die naturnahen Wälder, die er zum Leben braucht, brauchen auch viele andere gefährdete Arten wie z. B. der Weißrückenspecht oder das Auerhuhn. Die profitieren alle davon." Wenn alles klappt, werden im Sommer die ersten jungen Habichtskauze in den beiden Schutzgebieten ausgewildert. Mindestens je fünf wünschen sich Zink und seine Kollegen. Aber gut Ding braucht Weile: Im Bayerischen Wald, wo man 1972 mit der Wiederansiedlung begonnen hat, wurden bis jetzt rund 250 Vögel freigelassen. Demnächst will man die Auswilderungen reduzieren - die Vögel werden dann stattdessen an Österreich abgegeben. (Susanne Strnadl /DER STANDARD, Printausgabe, 28.01.2009)

  • Im Wienerwald und im Gebiet um Dürrenstein soll der Habichts-kauz seine neue Heimat finden. Die Ansiedelung kann aufgrund idealer Bedingungen beginnen.
    foto: zink

    Im Wienerwald und im Gebiet um Dürrenstein soll der Habichts-kauz seine neue Heimat finden. Die Ansiedelung kann aufgrund idealer Bedingungen beginnen.

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