Mikroalgen-Gärtner und andere Siegertypen

27. Jänner 2009, 19:57
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Die Gewinner des Genius-Ideenwettbewerbs wurden gestern in Wiener Neustadt prämiert

Mitte 2009 soll es soweit sein: Die im vergangenen Jahr beschlossene, sogenannte Generalunternehmerhaftung soll in Kraft treten. Von dieser Regelung besonders betroffen: die Baubranche. Dort ist es üblich, Aufträge, die sogenannte Generalunternehmer an Land ziehen, teilweise an andere Unternehmen weiterzugeben. Darunter sind immer wieder Firmen, die die Arbeitnehmer zwar bei der Sozialversicherung anmelden, aber nie Beiträge oder Steuern bezahlen. Mit der Auftraggeberhaftung soll dies ein Ende haben.

"Für die Baubranche bedeutet das aber einen einen zunehmenden Dokumentations- und Archivierungsbedarf", berichtet Dominik Ziegenhagen vom Application-Service-Provider Ishap. Ein Generalunternehmer müsse nämlich Personaldaten wie Name, Firma, SV-Nummer von eigenen und Mitarbeitern der beauftragten Subunternehmen dokumentieren und erfassen und an die zuständige Behörde weiterleiten - eine aufwändige Prozedur.

Es muss auch einfacher gehen, dachten sich Ziegenhagen und das Team des 2008 gegründeten Start-ups und entwickelten die "Ishap Card": "Grundidee war, die Erfassung zu vereinfachen und zu beschleunigen, um einen Baustellenausweis binnen kurzer Zeit noch auf der Baustelle übergeben zu können", erklärt Ziegenhagen. Alle erfassten Daten sollen online zur späteren Be- bzw. Verarbeitung gespeichert sein. Die Eingabe erfolgt über ein mobiles Endgerät, die Daten werden auf einen Server übertragen und gespeichert. Mittels kabellosem Drucker wird ein Ausweis erstellt. Dieser Ansatz überzeugte die Jury des Genius-Ideenwettbewerbs, der unter Vorsitz des RIZ, der Gründer-Agentur für Niederösterreich, der gestern stattfand: Ishap Card schaffte es auf den ersten Platz.

Zukunftsweisend auch das zweite Siegerprojekt: Energieerzeugung aus Mikroalgen. Das Verfahren nennt sich "hanging gardens" und soll die Produktion von Mikroalgen und anderer Phototropen auf besonders effektive Weise ermöglichen. Mit Hilfe von Chlorophyl, wird von Algen in der Photosynthese Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt. Kohlenstoffdioxid und Wasser werden dabei zur organischen Verbindung voller Energie.

"Die Idee zur Kultivierung von Mikroalgen wurde aus der Not heraus geboren", erzählen die Preisträger Franz J. Emminger und Martin Mohr, deren Unternehmen Ecoduna sich bereits in der Gründungsphase befindet. "Wir haben für ein anderes Projekt einen sicheren, günstigen und nachwachsenden Rohstoff gesucht, der nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht."

Die Verfahren, die sie fanden, konnten die beiden aber nicht überzeugen und so kamen sie auf "hanging gardens". Dieses nützt vor allem natürliche Phänomene und soll mit einem Bruchteil der Energie aller anderen Verfahren auskommen. Das Patent wurde schon angemeldet, eine Pilotanlage ist schon in Planung.

Um das Thema Energieeinsparung geht es auch beim dritten Genius-Siegerprojekt. Dietmar Üblacker hat sich überlegt, wie man den Energieeinsatz bei der Papierherstellung verringern könnte. Dafür mussten neue Sensoren her: "Das System misst, eingebaut in eine Papiermaschine, die Feuchtigkeit während des Herstellungsprozesses", schildert Üblacker, der 2008 seine Firma Senmicro gründete. Die Feuchtigkeitsmessung sei für die Energieeinsparung von entscheidender Bedeutung, um den Herstellungsprozess zu optimieren und so Energie zu sparen, erklärt der Jungunternehmer weiter - ohne ins Detail gehen zu wollen: Die Patentanmeldung läuft noch. Ebenso wie seine Sieger-Kollegen erhofft sich Üblacker durch die Erstplatzierung eine Steigerung des Bekanntheitsgrades seiner Firma. (Markus Böhm/DER STANDARD, Printausgabe, 28.01.2009)

  • Mit diesen "hanging gardens PhotoBioReaktoren" soll mithilfe von Mikroalgen Energie erzeugt werden.
    render.: ecoduna

    Mit diesen "hanging gardens PhotoBioReaktoren" soll mithilfe von Mikroalgen Energie erzeugt werden.

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