Waffen gegen Artgenossen

28. Jänner 2009, 02:00
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Rätsel um die drei Hörner der Dinosaurierart Triceratops dürfte gelöst sein

Bei einem Wettbewerb um die grausamste Dinosauriervisage hätte Triceratops horridus gute Chancen auf einen der ersten Plätze gehabt. Das "furchteinflößende Dreihorngesicht", so sein ins Deutsche übersetzter Name, verfügte über einen äußerst wuchtigen Schädel, aus dem drei nicht ganz kurze Hörner hervorragten. Dazu hatte er ein mächtiges Nackenschild und riesige Löcher in der Schnauze.

Triceratops lebte am Ende der Oberkreide im heutigen Nordamerika, also vor etwa 65 bis 70 Millionen Jahre, und ist damit einer der jüngsten Dinos. Erstmals beschrieben wurde das auf acht Metern Länge geschätzte Tier vor 120 Jahren. Seitdem haben Paläontologen einige Dutzend Schädel gefunden, dazu zahlreiche Teile des Rumpfskeletts.

Bislang nicht ganz klar war, wozu die Hörner des Dreihorngesichts gut sein sollten. Einige Forscher gingen davon aus, dass sie bloß der optischen Abschreckung dienten. Eine andere Hypothese lautete, dass zur Verteidigung gegen Fressfeinde verwendet wurden. Die Hörner seien Stoßwaffen; die Schilde schützten den Nacken gegen Bissen.

Gigantenduell der Kreidezeit

Hauptfressfeind sei der Tyrannosaurus gewesen - das kreidezeitliche Gigantenduell zwischen den beiden grausamen Kolossen wurde zu einem beliebten Motiv der populären Dinosaurierdarstellung. Das dürfte aber nur ein Teil der Wahrheit sein, behauptet nun der US-Paläontologe und Museums-Kurator Andrew Farke.

Er hat sich mit zwei Kollegen die erhaltenen Triceratops-Überreste in US-Museen genauer angeschaut und mit jenen des entfernt verwandten Centrosaurus verglichen.

Bei den vergleichenden Untersuchungen von insgesamt 400 fossilen Überresten zeigte sich, dass die Schädel von Triceratops sehr viel mehr Verletzungen aufwiesen als jene von Centrosaurus. Und genauer besehen stellte sich heraus, dass die meisten Verletzungen von anderen Dreihörnern stammten, wie die Forscher im frei zugänglichen online-Fachmagazin PLoS ONE (Bd. 4, Nr.1, e4252) schreiben.

"Diese neuen Erkenntnisse sind der bisher beste Beweis, dass Triceratops untereinander ähnliche Rangeleien mit ihren Hörner ausgetragen haben wie heutzutage Antilopen oder andere Hornträger", so Ko-Autor Ewan Wolff.

Andrew Farke allerdings gibt zu bedenken, dass die bisher angenommenen Verwendungen der Hörner auch nicht völlig auszuschließen sind und vergleicht sie mit Schweizer Taschenmessern: "Sie haben sie wahrscheinlich so eingesetzt, wie sie es gerade brauchten - zum Kämpfen genauso wie zur Verteidigung oder zum bloßen Beeindrucken." (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 28.01.2009)

  • Verletzungen beweisen: Triceratops rangelten miteinander.
    illu: panzarin

    Verletzungen beweisen: Triceratops rangelten miteinander.

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