Wer bietet mehr?

27. Jänner 2009, 19:22
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Plädoyer für eine staatliche Kapitaldeckung bei Zusatzpensionen - Von Bernd Skyva

Für private Versicherer entsteht beim Kapitaldeckungsverfahren ein unlösbares Problem. Wie kann man das eingezahlte Geld über Jahrzehnte wertgesichert anlegen und darüber hinaus eine Rendite erwirtschaften? Dementsprechend schwierig sind die Entscheidungen, in welcher Form die Veranlagung erfolgen soll. Heraus kommt in der Regel eine Mixtur aus Aktien, Fonds usw. Die einzige fixe Größe sind dann Staatsanleihen. Man braucht einen aufwändigen Apparat mit hervorragenden Fachleuten. Das erzeugt Kosten. Hinzu kommen die vielen Millionen für Werbung und saftige Provisionen. Wie man aus den Bedingungen für vorzeitige Rückzahlung ersehen kann, werden mehrere Jahresprämien aufgezehrt und sind für den Konsumenten des "Produktes private Vorsorge" verloren.

Obszönes Anliegen

Dessen ungeachtet machen Politiker fast aller Parteien mit "mehr privat-weniger Staat", "3-Säulenmodell", "Eigenverantwortung für die Pensionslücke", "private Vorsorge" und sonstigen Slogans Gratiswerbung für die Produkte der Finanzjongleure. Noch schlimmer ist die Vorgabe, Pensionskassen müssten einen Teil der Einlagen in Aktien anlegen, um "die Börse zu beleben". Ein wahrhaft obszönes Anliegen, wo es doch um die Zukunftssicherung der Menschen geht. Ganz groß gedruckt auf den Werbefoldern für Privatpensionen der Banken und Versicherungen ist die "Prämie von 9 %". Hier handelt es sich aber um Steuergelder, die der schwindsüchtige Staat noch hinterher wirft, weil er die Pensionen in gewohnter Höhe nicht zahlen könne.

Im westlichen Ausland sind Pensionsfonds schon länger ins Schleudern geraten und mussten Auszahlungen kürzen und Beiträge erhöhen. Hier hat es keine "demographische Kopflastigkeit der Alten" gegeben. Das Geld wurde verspekuliert. Ganze Zeitungsbeilagen wurden aufgeboten, um diesen Sachverhalt zu verschleiern.

Mein Gegenvorschlag: Die Kapitaldeckung wird durch den Staat durchgeführt. Die Einzahlungen der Versicherten verringern die Staatsschuld. Dementsprechend wird der Zinsendienst entlastet. Es besteht nicht das geringste Problem einer "Veranlagung" und Wertsicherung der eingezahlten Beiträge. Mit geringstem Aufwand kann die Administration durchgeführt werden. Dem Staatsbürger wird eine Verzinsung garantiert, die knapp unter jener des Staatsschuldendienstes liegt. Derzeit also ca. 4,5-5 %. Verglichen mit den Garantien privater Institute ist dies mehr als das Doppelte. Wer den "Gewinnerwartungen ohne Gewähr" vertraut, möge auf eine höhere Verzinsung bei den Finanzdienstleistern hoffen. Die überwiegende Mehrheit der Österreicher/innen setzt aber bei der Altersvorsorge auf Sicherheit.

PS: Dies ist kein "Hüftschuss" angesichts der aktuellen Finanzkrise. Der Vorschlag wurde bereits 2006 der Arbeiterkammer vorgelegt und auch Alfred Gusenbauer im damaligen Wahlkampf- folgenlos - als alternatives Anwendungsmodell für seine Pensionskritik zur Verfügung gestellt. 2007 wurde das Ministerium für Soziales und Konsumentenschutz damit befasst. Es gelangte nach einjähriger Prüfung zur Amtsmeinung, es sei nicht zuständig ... (Bernd Skyva, DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2009)

Zur Person

Bernd Skyva, ehem. Professor an der Höheren technischen Bundes-Lehranstalt und Versuchsanstalt in Mödling, heute "unabhängiger Pensionist", lebt in der Nähe von Wien.

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    An lockenden Angeboten für das "Produkt private Vorsorge" fehlt es nicht. Wohl aber an verlässlichen Renditen.

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