Leser schreiben selbst Zeitung

27. Jänner 2009, 18:57
14 Postings

Ab kommender Woche erscheint in Deutschland der neue "Freitag" - ein Magazin, an dem die Leser gleich selbst mitschreiben sollen - Herausgeber ist Jakob Augstein

Ein Verleger mit dem Namen Augstein hat die deutsche Medienlandschaft jahrzehntelang geprägt: "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein, der 2002 verstarb. Ab dem 5. Februar gibt es wieder einen Verleger names Augstein: Den Sohn des "Spiegel"-Gründers, Jakob. An diesem Donnerstag erscheint zum ersten Mal der neue "Freitag".

Dass das Heft nicht mehr an dem Tag herauskommt, das ihm den Namen gab, ist kein Zufall. Donnerstags liegt ja auch die "Zeit", für die Augstein als Autor arbeitete, am Kiosk. So vermessen, dass Augstein der Zeit mit seinem neuen Blatt Konkurrenz machen will, ist der 41-Jährige nicht. Aber er will den "Freitag" schon in die nächst höhere Liga heben.

Das Magazin gibt es seit 1990. Damals entstand es aus dem Zusammenschluss der 1953 gegründeten westdeutschen "Volkszeitung" und dem 1946 ins Leben gerufenen Ost-Berliner "Sonntag". Die erste gesamtdeutsche Zeitung setzte sich vor allem ein Ziel: Die Wiedervereinigung kritisch zu begleiten. Man startete mit einer Auflage von rund 50.000 Heften.

Starker Auflagenschwund

Heute jedoch werden nur mehr rund 12.000 Magazine verkauft. Das Blatt gilt zuweilen nicht mehr als links-intellektuell, sondern eher als anarchistisch-links. Augstein, der es im Mai 2008 kaufte, setzt nun zur großen Runderneuerung an - nicht alleine optisch.

Auch konservative Meinungen sollen sich künftig im Heft wiederfinden. Zudem sind nicht nur Journalisten gefragt. In der Online-Ausgabe können Leser kommentieren und eigene Blogs schreiben. Wer das oft und gut macht, dessen Texte werden dann auch in der Papier-Ausgabe publiziert, wofür es Honorar gibt. "Wir sind keine klassische Zeitung mehr, sondern ein Mitmach-Medium", sagt Augstein.

Eine kommerzielle Revolution steht auch bevor: Um nicht ständig um's wirtschaftliche Überleben zu kämpfen, lässt der "Freitag" nun auch Werbung zu. Darauf hat das Redaktionskollektiv bisher verzichtet. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD; Printausgabe, 28.1.2009)

  • Erscheint bald mit neuem Aussehen: Jakob Augstein will den "Freitag" zu neuem Aufschwung verhelfen. Faksimile
    foto: freitag

    Erscheint bald mit neuem Aussehen: Jakob Augstein will den "Freitag" zu neuem Aufschwung verhelfen. Faksimile

Share if you care.