Russische Wirtschaft sieht schwarz

27. Jänner 2009, 18:15
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Die Produktion bricht ein, die Arbeitslosigkeit steigt, und der Rubel wird immer weniger wert. Die Regierung versucht, die Banken zu stützen

Moskau - Die Stimmung unter den russischen Unternehmern trübt sich zunehmend ein. Laut einer aktuellen Umfrage des Unternehmerverbands "Delowaja Rossija" sieht die russische Wirtschaft ihre Zukunft so pessimistisch wie noch nie zuvor. Erstmals seit 1996, als das Stimmungsbarometer zum ersten Mal erstellt wurde, übertrifft die Anzahl der negativen die positiven Einschätzungen im vierten Quartal 2008 um 28 Prozent.

Die schlechte Stimmung spiegelt sich auch in den jüngsten Statistiken wieder. Im Dezember ist die Industrieproduktion nach Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,3 Prozent eingebrochen.

Viele Unternehmen sind auf Grund der Wirtschaftskrise dazu gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen oder in Kurzarbeit zu schicken. Im Dezember 2008 verloren 500.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Damit ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 26 Prozent auf fast sechs Millionen Menschen gestiegen.

Unternehmen kaufen Devisen

Laut einem Bericht der russischen Tageszeitung Nesawissimaja Gaseta ist für den Produktionseinbruch nicht nur die sinkende Nachfrage verantwortlich, sondern auch die stetige Abwertung des Rubel. Demzufolge haben viele Unternehmen die Produktion gedrosselt und ihre liquiden Mittel in den Währungsmarkt gepumpt. Laut Analysten seien 30 bis 50 Prozent des Produktionsrückgangs durch Devisenspekulationen verursacht.

Seit die russische Zentralbank die Schwankungsbreite des Rubel schrittweise gelockert hat, hat die russische Währung 28 Prozent zum Euro eingebüßt. Der Rubel war durch den fallenden Ölpreis und die Konjunkturverlangsamung im Herbst unter Druck geraten. Insgesamt hat die Zentralbank fast ein Drittel der russischen Devisenreserven dafür verwendet, um den Rubel zu stützen. Dennoch verfügt Russland noch immer über 396 Milliarden US-Dollar an Reserven.

Rubel fällt auf Tiefststand

Auch am Dienstag riss der sinkende Ölpreis den Rubel mit nach unten. Die russische Währung erreichte einen neuen Rekordtiefstand gegenüber dem Euro . Die europäische Gemeinschaftswährung ist nun fast 44 Rubel wert. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg verteidigte Premierminister Wladimir Putin die Währungspolitik der Regierung.

Die fließende Abschwächung des Rubel sei auf positive Resonanz in der Wirtschaft gestossen, sagte Putin. Experten kritisieren jedoch, dass die schrittweise Devaluierung nur zu wachsenden Abschwächungserwartungen geführt habe, aber positive Auswirkungen für die russische Industrie bislang ausblieben.

Russland droht in diesem Jahr sogar aus der Runde der zehn größten Volkswirtschaften der Welt herauszufallen. Noch im Mai 2008 nahm Russland gemessen am nominellen BIP den achten Rang ein. Die Regierung erwartet für heuer ein Wirtschaftswachstum von null bis zwei Prozent. Im Dezember wuchs das BIP um 0,7 Prozent.

Um die russischen Banken zu unterstützen, hat die russische Regierung ein neues Massnahmenpaket angekündigt. Sie plant eine Kapitalspritze in Höhe von 900 Milliarden Rubel (rund 27 Milliarden US-Dollar). Der Großteil davon soll den russischen Staatsbanken Sberbank (500 Milliarden Rubel) und VTB (200 Milliarden Rubel) zu Gute kommen. (Verena Diethelm, DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2009)

  • Allein im Dezember 2008 haben in Russland 500.000 Menschen ihren Job verloren. Die Arbeitslosen drängen derzeit in die Arbeitsämter.
    foto: epa

    Allein im Dezember 2008 haben in Russland 500.000 Menschen ihren Job verloren. Die Arbeitslosen drängen derzeit in die Arbeitsämter.

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