"Die Frage ist, wer wird Gas einspeisen?"

27. Jänner 2009, 18:01
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Ohne Finanzspritze der EU wird Nabucco nicht weiterkommen, sagte der ungarische Energieexperte Miklós Hegedüs

STANDARD: Wird Nabucco jemals gebaut werden?

Hegedüs: Die zentrale Frage ist, wer am anderen Ende der Röhre - in Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan - garantieren kann, dass Gas eingespeist wird. Für diese Staaten ist es seit dem Georgienkrieg 2008 fast unmöglich geworden, gegen russische Interessen zu handeln. Hinzu kommt, dass Investoren wegen der Wirtschaftskrise Zweifel bekommen könnten. Ohne EU-Finanzspritze wie Ungarns Premier vorschlägt, wird Nabucco schwer weiterkommen.

STANDARD: Österreich argumentiert, nach der Gaskrise seien die Chancen gestiegen.

Hegedüs: Ich halte es für keine gute Idee, den Bau einer wichtigen Gaspipeline mitten im Winter nach einer Gaskrise zu diskutieren. Jedem sitzt die Angst noch im Nacken, was rationale Entscheidungen erschwert. Europa sollte nichts überstürzen. Es war das erste Mal seit 30 Jahren, dass wir kein Gas bekommen haben. Vielleicht dauert es wieder 30 Jahre bis zum nächsten Gasausfall.

STANDARD: Europa will die Abhängigkeit von Russland senken.

Hegedüs: Das wäre auch wichtig, wobei Nabucco unsere Abhängigkeit nicht beenden wird. Europa sollte primär durch partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Russland Energiesicherheit schaffen und nicht alle Hoffnungen auf ein Alternativprojekt setzen. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2009)

Zur Person

Der ungarische Wirtschaftswissenschafter Miklós Hegedüs leitet das private Budapester Energieforschungsinstitut GKI.

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